Donnerstag, 25. Juni 2009

Der Blick zurück nach vorn - Teil II

Es sind wilde Zeiten – soviel steht schon mal fest. Wenn man dem vermeintlichen Geschehen auf dem Transfermarkt in Echtzeit folgen will, dann muss man schon Urlaub nehmen. Das wäre allerdings auch irgendwo wieder Verschwendung, denn schließlich bleibt zum Schluss oft nicht viel über. Wenn man beispielsweise diesen höchst unterhaltsamen Ticker nachliest, dann setzt sich dieser in erster Linie mal aus Gerüchten zusammen. Nur ganz selten werden dieser Tage wirkliche Nägel mit Köpfen gemacht.

Wahrscheinlich hält allseits immer noch eine gewisse Schockstarre an, da sich Real Madrid vor kurzem erdreistete, ungefähr 160 Millionen Euro binnen einer Woche für gerade mal zwei Angreifer auszugeben. Über Sinn und Unsinn solcher Summen möchte ich mich gar nicht mokieren. Nur ein dezenter Hinweis: Entgegen vieler Annahmen wird der Spaß nicht von Señor Perez direkt aus eigener Tasche finanziert, sondern durch Kredite

Was hat das alles mit dem FCB zu tun?

Alles und auch nichts.

Nichts, denn schließlich hat man auf dem Transfermarkt in den letzten Wochen recht schnell Nägel mit Köpfen gemacht, wenn auch ungewöhnliche. Pranjic und Braafheid waren jetzt nicht zwingend Namen, die man beim hier in München ganz oben (wenn überhaupt) auf dem imaginären Transferzettel hatte. Man muss allerdings kein Hellseher sein, um festzustellen, dass das wohl alles sehr, sehr deutlich mit unserem neuen Trainer zusammenhängt. Und das macht mir diese Geschichte schon sehr sympathisch.

Ich weiß, ich weiß. Vor einem Jahr saßen wir schon mal hier und haben uns (also ich für meinen Teil zumindest) auf die neue Saison gefreut, weil augenscheinlich vieles anders und damit hoffentlich besser werden würde. Nicht einmal ein Jahr später saßen wir da und blickten auf eine Art Scherbenhaufen und drumherum viele Leute (darunter auch viele Rote), die es ja schon immer gewusst haben. Im Zuge des erwartbaren Nachgeplänkels gebe ich es zu: Ihr hattet Recht; er kann offensichtlich nicht viel.

So. Warum kann der Neue nun so viel mehr?

Weil er als Trainer schon öfters mal erfolgreich war und mehrfach bewiesen hat, dass Fußball immer noch ein Sport ist, in dem, wenn es hart auf hart kommt, die beste Mannschaft gewinnt. Da hilft das Motto einer Supermarktkette oft nichts. Und nach dem letzten Jahr reicht mir das auch schon.

Und damit sind wir wieder bei Pranjic und Braafheid. Ich hoffe fast schon aus zwei Gründen, dass die Jungs was reißen (vor allem auch, weil sie nicht mit soviel Tamtam wie ein Breno oder Ähnliches vorgestellt wurden): Zuvorderst steht natürlich die Verbesserung und damit der Erfolg der Mannschaft. Danach kommt aber auch die Hoffnung, dass der FCB mal wieder in der Kategorie „Nicht-offensichtliche Transfers“ (wie z.B. Gomez) Erfolg hat und damit ganz bestimmte Fischköpfe zum zeitweisen Schweigen bringt. Aber das wäre nur ein netter Nebeneffekt.

Und warum hat das eingangs beschriebene Transfer-Hickhack doch wieder soviel mit dem FCB zu tun?

Genau, Ribéry. Dass unser kleiner Gallier in diesem Sommer schon zu einem massiven Spekulationsobjekt werden würde, war ja ohnehin klar. Und wenn man auch nur der Hälfte der Gerüchte etwas Aufmerksamkeit (von Glauben sprechen wir hier mal lieber nicht) schenkt, dann ließe sich hier schon ein ansehnlicher Preis erzielen.

Die Frage ist nur: Muss das wirklich sein?

Nein.

Im Gegenteil. Fußballer wie ihn findet man nicht oft. Und den Luxus, so jemanden noch (mindestens) zwei Jahre bei sich spielen zu haben, sollte man (zumindest ein Jahr noch) voll auskosten. Und wenn man mal diese ganzen angeblichen Angebote und Gerüchte spanischer Spaßblätter ausklammert, dann weiß man doch momentan nur, dass Monsieur Ribéry grad im Urlaub ist, Real Madrid offiziell das Werben eingestellt hat, und sich Kaiser Franck nach wie vor in München wohlfühlt.
Und überhaupt: Was hilft einem denn das ganze potenzielle Geld, wenn man auf einmal gezwungen ist, Ersatz für einen der absoluten Topspieler in Europa zu finden? Eben. Außerdem hat man bei der jetzigen Vertragslage ja immer noch ein Jahr Zeit, den Markt entsprechend in aller Ruhe zu sondieren…

Irgendwo schließt sich jetzt doch ein Kreis, denn vor einem Jahr saß ich auch da und freute mich ungeduldig auf die nächste Saison.

Nur habe ich diesmal nicht mehr das Gefühl, dass es eine Fahrt ins Ungewisse wird.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Namen über Namen

Die Saison ist noch nicht so ganz vorbei, dann geht es auch schon los: Spieler, wechsel’ dich. Und was scheinbar schon länger währte, wurde endlich gut: Gomez also zum FCB. Dass daraufhin viele Luca Toni verabschieden wollen, will mir nicht so ganz in den Kopf. Klar, vom Typ her sind die beiden schon sehr ähnlich, wobei Gomez sicher technisch versierter ist (was so schwierig nun auch wieder nicht ist). Gerade gegen Beton-Mannschaft wie z.B. Frankfurt wären aber zwei derartige Brecheisen vorne im Sturm jedoch sicher wünschenswert; natürlich immer vorausgesetzt, dass es genug Versorgung aus dem Mittelfeld gibt. Was natürlich auch klar sein sollte: Toni wird sich wohl von seinem Stammplatz verabschieden müssen, aber das sollten angesichts der endlich wieder vorhandenen Konkurrenz im Sturm dort wohl alle Beteiligten.

Das Mittelfeld. Tja, am wichtigsten wird wohl generell sein, Ribéry nicht abzugeben. Und da hörte sich Hoeneß in den letzten Tagen immer zögerlicher an, so dass zu befürchten steht, dass man bei einer gewissen Summe wohl schwach werden könnte.

Das wäre jedoch fatal.

Es ist doch kein Wunder, dass halb Europa hinter unserem kleinen Gallier her ist, denn schließlich gibt es Spieler seines Formats, weshalb jeder entsprechend scharf auf sie ist. Und die Qualität eines Ribéry kann mit Geld und den damit verbundenen Kompensations-Transfers nur bedingt aufgewogen werden, denn – wie gesagt – er ist nun mal fast einzigartig. Außerdem hat er ja auch noch zwei Jahre Vertrag, weswegen man erst mal versuchen sollte, ihm noch ein paar Spielzeiten in München anzudrehen.

Also an dieser Stelle eine Bitte an diejenigen, die das Ganze irgendwann entscheiden müssen: Wir haben zwar keinen „Geldscheißer“, wie Uli richtig sagte, aber dafür haben wir Ribéry.

Ähnliches gilt auch für Lahm, wobei seine angeblichen Wechselgedanken für mich doch ein wenig überraschend kamen, denn schließlich hatte er ja vor nicht allzu langer Zeit (ebenso überraschend) verlängert. Hoffentlich ist das ganze nur Geplänkel, denn auch hier kann man einen Spieler dieser Qualität nur schwer oder wahrscheinlich gar nicht ersetzen.

Ich freue mich (wenn van Gaal denn so spielen lässt) auf das Duo Tymoschtschuk und van Bommel. Die beiden könnten zu einer Art Super-Staubsauger werden, so dass sogar Demichelis vielleicht mal wieder glänzen kann. Ansonsten bin ich auch noch gespannt, was die Herren für den offensiven Teil noch aus dem Hut zaubern, denn wie in der Abwehr liegt auch hier der Hund auf der rechten Seite begraben. Snijder, Hleb, das sind schöne Namen, die sicher viel Geld kosten, aber solche größeren Geschäfte haben sich schon mal rentiert, oder?

So, zum Schluss die Abwehr. Oddo nun weg, puh, Schwein gehabt. Das Problem: Lell ist noch da. Auf seiner Position soll Gerüchten zufolge Dario Srna von Donetzk kommen – und damit hätte ich so überhaupt kein Problem. Auch wenn das UEFA-Cup-Finale gegen Bremen richtig grottig war, so wurde auch schnell klar, dass dieser Srna ein Guter ist. Und das würde ja schon mal reichen.

Torwart? Scheint wohl auch eine Baustelle zu sein. Ich war allerdings sehr erleichtert, als Neu-Schalker Magath verlauten ließ, dass da in Richtung München gar nichts ginge. Nichts gegen Neuer, aber dann könnten wir auch Rensing wieder in die Kiste stellen. Außerdem: Ein Schalke-Fan im Bayern-Tor? Einer, der durch Imitation ein scheinbar immer noch existierendes Trauma überwinden will? Nein, bitte nicht.

Man sollte bei aller Einkaufs-Euphorie aber eins nicht vergessen: Der ganze Laden muss am Ende immer noch eine Mannschaft werden; und zwar am besten so eine Truppe wie aus der vielbeschworenen Zeit 1999-2001, wo jeder mal ein paar Eitelkeiten zurückstellt, damit die Mannschaft Erfolg hat; wo kein Staatsakt daraus gemacht wird, wenn einer mal auf der Bank sitzt.

Mit anderen Worten: Es muss etwas wachsen.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Licht...

…am Ende des Tunnels einer Saison, die nun ihr Ende findet. Endlich, möchte ich fast hinzufügen. Was war wir hier beim FCB mit Erwartungen in die Saison gestartet: Leistungszentrum, 8-Stunden-Tag, Jeder-jeden-Tag-ein-bisschen-besser. Super. Wir am Anfang vielleicht ein wenig holprig, aber das wird schon.

Und so sah es am Ende der Hinrunde ja tatsächlich aus: Nach einem mauen Start (und einer historischen 2-5-Heimklatsche zum Wiesnanstich gegen Bremen) war man vor Weihnachten punktgleich mit Hoppenheim. Super. Im Pokal auch noch dabei, in der CL souverän mit der besten Bilanz aller Teams in Achtelfinale eingezogen. Super.

Notorische Nörgler hatten damals schon auszusetzen, dass der Mannschaft jegliche Cleverness fehlt, um selbst Zwei-Tore-Führungen gegen Gladbach und Bochum runterzuspielen. Naja, wo gehobelt wird, usw., das sind halt die ersten Klinsmann-Ansätze, das kriegt der auch noch hin. Tja, und da sollten wir uns täuschen. „Klinsmann raus“ gab es von einzelnen wohl schon ab dem ersten Spieltag zu hören, aber die Rückrunde und ihre Kulminationspunkte in Wolfsburg und Barcelona waren wohl den meisten Klinsi-Fürsprechern zu viel.

Der FCB steckte in einer handfesten Identitätskrise.

Mit dem innerlichen Auf-links-Drehen und dessen Geschwindigkeit war der Verein und scheinbar auch die Spieler überfordert. Und dabei meine ich jetzt nicht unbedingt Trainingsmethoden oder Ähnliches. Alles wurde auf den Kopf gestellt und eine bereits eingespielte, halbwegs funktionierende Mannschaft einmal komplett in den Mixer geworfen. Heraus kam: Ja, was denn eigentlich? Nach ein paar personellen Experimenten sollte es auf einmal die Dreierkette sein, was ich persönlich gerade gegen extrem defensive Gegner (Hertha, Köln) besonders gut fand, weil es ja scheinbar auch funktionierte.

Blöd nur, dass Bremen kein defensiv ausgerichteter Gegner ist. Und noch blöder von Klinsmann war, dass er nach diesem Spiel (es war erst der fünfte Spieltag!) einknickte und rein aufstellungstechnisch wieder auf die Hitzfeldsche Doppel-Sechs zurückgriff. Und so konnte sich dieses labile Konstrukt Mannschaft bis zum Ende der Hinrunde stabilisieren und die oben beschriebene Ausgangslage schaffen, die in der Rückrunde allerdings dann gehörig in den Sand gesetzt wurde.

Zwischendrin wirkten manche Ergebnisse (Pokal in Stuttgart, Hannover, Lissabon) wie eine Art Weichzeichner, der nur allzu gut über Niederlagen in Berlin, Heimniederlagen gegen Köln, etc. hinwegtäuschen konnte.

Aber dann kamen Wolfsburg und Barcelona.

Das Ergebnis und dessen Höhe spielt natürlich in beiden Fällen auch eine Rolle, aber es war jeweils das Zustandekommen, das mich heute noch ärgert. Und da zeigten einige in der Mannschaft ihr wahres Gesicht. Ich will hier gar nicht auf Einzelne eingehen, das habe ich schon zu Genüge getan. Da sitzt man also als Fan vor dem Fernseher bzw. in der Kneipe und sieht, wie da ein paar Spieler auf dem Platz stehen, denen es offensichtlich völlig wurscht ist, wie das Spiel ausgeht und ob man sich gerade zum Deppen macht. Als Krönung auf diesen majestätischen Affront kommt dann noch ein Trainer, der offensichtlich von Taktik nicht viel versteht, schon seit Monaten dieselben Phrasen abspult und außerdem immer hilfloser wirkt.

Dass wir immer noch um Platz 2 spielen ist bezeichnend für diese ganze Saison, nicht nur für den FCB, sondern für die ganze Bundesliga: Bremen krebst irgendwo im Mittelfeld herum, Schlake kann sich nächste Saison aufs nationale Geschäft konzentrieren, Hertha spielt vielleicht Champions League, und Wolfsburg wird Meister…

Ganz für die Katz war die Saison vielleicht aber doch nicht, denn gelernt sollten vor allem die Verantwortlichen doch etwas haben:

1. Der Trainer muss zum FCB passen, nicht umgekehrt. Insofern ist die Wahl von van Gaal wohl eine Rückkehr zu diesem Prinzip. Lässt sich zwar im Moment schwer einschätzen, aber allein dass schon so wenig Wirbel um seine Person herrscht, ist beruhigend und angenehm.

2. Der Kader muss ausgemistet und verstärkt werden. Da wurde ja von Vereinsseite schon angekündigt, dass scheinbar wieder eine kleine Shopping-Tour geplant ist. Sehr schön.

Es war also ein ereignisreiches Jahr, das mit einem Sieg gegen Stuttgart sogar noch zu einem (den Umständen entsprechend) akzeptablen Ende gebracht werden könnte.

Wenn nicht diese elendslange Sommerpause wäre, könnte man sich fast freuen.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Ein Sieg, der weh tut

Wenn mir einer vor dem Spiel versichert hätte, dass wir das heute locker mit 3-0 über die Bühne schaukeln, dann hätte ich da sofort unterschrieben. Aber so kann ich mich eigentlich nur ärgern.

Sicher, wenn der Schiri genauer (oder überhaupt) hinschaut, dann kriegt Leverkusen in der ersten Hälfte zwei Elfmeter und wir würden hier vielleicht nicht über das Torverhältnis reden, das uns eventuell zur Meisterschaft hätte bringen können, sondern über eine Saison Europa-League (nebenbei bemerkt, liebe UEFA: Durch den neuen Namen wird der Wettbewerb auch nicht attraktiver). Allerdings nur mal so am Rande: Es gab auch schon ein paar ähnliche deutliche Szenen in dieser Saison, wo wir mal nicht begünstigt wurden, also Schwamm drüber.

Und so kommen wir zum eigentlichen Ärgernis des heutigen Spiels: 3-0. Tja, was gibt es da auszusetzen? Eigentlich nix, denn es wurde (in der zweiten Halbzeit) schön gespielt, Tore wurden erzielt, die Stimmung war gut. Alles wunderbar.

Nein. Überhaupt nicht.

Denn selbst ein nicht allzu großes Mathe-Genie sollte bei der jetzigen Tabellensituation begriffen haben, dass die Meisterschaft möglicherweise über das Torverhältnis entschieden wird. Und wenn einem ein Gegner vor den eigenen Füßen förmlich zerbröselt, dann muss man die Chancen auch mal nutzen und nicht nur drei, sondern gerne auch mal sechs Dinger machen, zumal ja Möglichkeiten für einen zweistelligen Ausgang vorhanden waren.

Ich glaube, ich habe mich noch nie so über einen 3-0-Sieg geärgert, denn das wäre heute schon mal ein Zeichen gewesen: Mit einem Kantersieg an die Tabellenspitze, und keiner kann was dagegen tun. Stattdessen auch am Samstag wieder der bange Blick zu Wolfsburg und das ungute Gefühl, dass einem ausgerechnet Hannover und Bremen jetzt Schützenhilfe leisten sollen.

Vor allem Bremen. Ich mag hier wirklich niemandem was Böses unterstellen, aber die Grün-Weißen haben am letzten Spieltag gerade ein UEFA-Cup-Finale hinter sich und ein Pokal-Finale noch vor der Brust, so dass ich doch arge Zweifel hege, dass sie mit aller Macht versuchen werden, dem FCB noch am letzten Spieltag die Meisterschaft zu ermöglichen.

Aber ist diese Saison denn überhaupt noch wichtig, wenn eine Hammermeldung die nächste jagt?

Ja, verdammt nochmal. Und da bringt es mich tierisch auf die Palme, wenn zwar weiter nach vorne gespielt wird, aber beste Möglichkeiten ein ums andere Mal liegen gelassen werden, um nicht doch noch das Torverhältnis noch oben zu schrauben. Man könnte jetzt lamentieren, dass die Meisterschaft gegen Gladbach oder Bochum verspielt wurde, aber das hilft mir jetzt auch nix, wenn sich die nächste Chance auftut, aber der Sprung an die Tabellenspitze wieder versaut wird.

Es ist ja auch nicht so, dass unser Restprogramm noch zum fröhlichen Toreschießen einladen würde. Hoffenheim kann mit einem Sieg/Unentschieden über den FCB eine komplett vergeigte Hinrunde retten und für die Stuttgarter geht es ja auch noch um etwas; im Gegensatz zu Hannover und Bremen, aber das hatten wir ja schon.

Und da ist es mir erst mal wurscht, dass sich in Sachen Trainer und neue Spieler beim FCB gerade wohl mächtig was rührt.

Freitag, 8. Mai 2009

Die Ruhe vor dem Sturm?

Fragen über Fragen. Und nichts ist geklärt. Vorerst zumindest, denn schließlich bewegt sich auf der Trainerposition doch etwas. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann konnte ich mit dem Namen van Gaal erst mal ganz wenig anfangen. Klar, den gibt’s – und sein Coup mit Alkmaar hatte auch schon die Runde gemacht. Aber dann? Nach kurzer Recherche wurde mir klar, dass da mal eine große Ajax-Mannschaft war, die u.a. auch den FCB mal sorgfältig auseinander genommen hatte. Trainer: van Gaal.

Das klingt doch schon mal interessant.

Hinzu kommt, dass der Typ nicht der ganz große Freund der Medien ist. Das wäre für München zwar fast schon ein KO-Kriterium, aber andererseits hätte ich auch nichts dagegen, wenn für die Herren Schreiberlinge mal ein anderer Wind wehen würde. Ich weiß nicht, wer von Euch Blickpunkt Sport am Montag gesehen hat, aber ein paar Mal war ich mir sicher, dass eine Hand des Reporters beim Interview mit van Gaal zitterte.

Vielleicht ist das jetzt zu billig, aber vor Klinsmann hatten Reporter nie Angst und oft auch mal nur wenig Respekt.

Aber das nur am Rande.

Über Ribéry wird ja in letzter Zeit auch viel gesprochen. 70 Millionen stünden da angeblich im Raum. Das klingt wirklich interessant, aber wir wollen ja auch mal die Kirche im Dorf lassen – und Ribéry am besten auch bei uns. Denn eines sollte bei all den Fantastilliarden klar sein: Das ist mit Abstand unser bester Spieler – einer, um den uns halb Europa beneidet. Wenn man nun wirklich die oben angesprochene Summe kriegen würde, was hätten wir dann? Geld zum Investieren, das schon. Aber wie will man die Qualität eines Ribéry auch nur annähernd ersetzen? Und noch viel wichtiger: Wer von den potenziellen Kandidaten würde denn wirklich zum FCB kommen? Eben.

Dass Diego trotz hartnäckiger Juve-Gerüchte immer noch an der Isar rumgeistert, stört mich eigentlich nicht. Sicher, direkt sympathisch ist er mir erst mal nicht, aber das war bei Klose nicht anders, aber der Fußball-Fan vergisst oft schneller als einem lieb ist. Ich hätte eigentlich nix dagegen, wenn wir noch so ein Kreativ-Monster in der Mannschaft hätten, dann würden auch nicht alle immer automatisch zu Ribéry spielen. Man muss halt schauen, was er denn kosten soll, denn schließlich muss man das Geld auch nicht direkt an die Weser tragen, zumal schon wieder die üblichen Fische aus der Versenkung hervorluken.

Ansonsten ist es verhältnismäßig ruhig geworden um den FCB – und das tut tierisch gut, denn die Wochen vor der Klinsmann-Entlassung waren ein mediales Bombardement, das ich so arg schon lange nicht mehr erlebt hatte. Man könnte sich eigentlich also auch mal wieder auf den Sport konzentrieren, denn schließlich sind noch vier Partien zu spielen. Und so ganz ohne Chancen auf die Meisterschaft sind wir ja auch nicht. Letztendlich hängt es eigentlich an Wolfsburg und ihren Nerven. Da war der letzte Samstag schon beeindruckend: Mal schnell Hoffenheim mit vier Kisten nach Hause geschickt (und dort nebenbei noch eine andere Scheune in Brand gesetzt). Mir graut irgendwie jetzt schon vor dem vorletzten Spieltag. Gegen uns machen sie dann ihr mit Abstand bestes Rückrundenspiel, bekommen ausnahmsweise keine roten Karten und Rangnick kann dann das Rumpelstilzchen machen, weil der dem FCB die Meisterschaft versaut hat. Nein, zumindest das muss verhindert werden.

Auch wenn vieles in der momentanen Konstellation darauf hindeutet, richtig spannend zu werden, so hält es sich mit Aufregung bei mir momentan in Grenzen, was irgendwie komisch ist, denn es ist ja immer noch alles möglich. Andererseits ist der Wolfsburger Vorsprung inklusive Tordifferenz schon enorm. Und da ist es wohl auch eine Art Selbstschutz, jetzt nicht von der Meisterschaft zu träumen – und das Ding am Ende doch mit nach Hause zu nehmen.

Hat ja schon ab und zu geklappt.

Donnerstag, 30. April 2009

Die Baustelle schlägt (vielleicht) zurück.

So, es ist also amtlich und in Brennpunkten, Sondersendungen und sogar Live-Übertragungen des Bayern-Training (!) bis zum Erbrechen ausgeweidet worden: Klinsmann ist also nicht mehr Trainer des FCB. Endlich, möchte man fast hinzufügen, denn die Spekulationen, Wasserstandsmeldungen und das ganze Brimborium nahm schon vor der Entlassung groteske Ausmaße an. Und dann am Montag die „Bombe“.

Nun also Heynckes mit Gerland als Assistent. „Aufbruchsstimmung“ wird von Hoeneß gefordert, und wenn man einzelnen Spielern – allen vor dem Kapitän – so zuhört, dann scheint er sie auch zu bekommen. Aus meiner Sicht waren die beiden Pressekonferenzen am Montag und Dienstag irgendwie bezeichnend. Rummenigge schmallippig bzw. gar nicht anwesend. Hoeneß dafür umso redseliger. So redselig sogar, dass er sich montags gleich noch dem BR in einem Exklusiv-Interview für den Blickpunkt stellte. Und diesem Interview (zu finden hier und hier wurde dann nochmal einiges gerade gerückt; mein Lieblingswort: Trainerorgie. Es war Hoeneß richtig anzumerken, dass ihm da ein riesiger Felsbrocken von der Brust gefallen war - eine Last, die er (zumindest nach außen hin) in den letzten Wochen bereitwilliger getragen hat als viele andere. In dieser ganzen unsäglichen Debatte hatte sich ja Rummenigge schon relativ früh (Stichwort „Sommerzeugnis“) hervorgetan und damit mal wieder ein fantastisches Fingerspitzengefühl dafür bewiesen, wie man einen Trainer frühzeitig und subversiv absägt. Und um zu beweisen, dass Killer-Kalle immer noch den direkten verbalen Tiefschlag beherrscht, wirft er einem Wunschkandidaten für das Traineramt Kinderhandel vor.

Irgendwie wurde der eigentlich sinnvolle Ablauf des Epochenwechsels beim FCB komplett über den Haufen geworfen. Zuerst wäre ein neues Management gekommen, das bei Bedarf einen neuen Trainer gesucht bzw. zusammen mit dem alten den Kader entsprechend umgebaut hätte. Das alles erschien mir (solange Klinsmann sich nicht selbst absägte) äußerst durchdacht und logisch. Nun aber wurde das Ganze auf den Kopf gestellt: Die Mannschaft muss offensichtlich (Trainerwechsel hin oder her) umgebaut werden, denn man schleppte in dieser Saison einfach zu viel Ballast in der Form von Oddos, Lells, Ottls, etc. mit; das soll allerdings mit einem Trainer geplant werden, den es noch nicht gibt. Dieser sollte sinnvollerweise von einem Management ausgesucht werden, das sicher auch noch nicht fix ist.

Mit anderen Worten: zum jetzigen Zeitpunkt ist der FCB eine einzige Baustelle.

Dass dieser offene Bauplatz immer noch um die deutsche Meisterschaft mitspielt, ist eigentlich ein Witz, über den man am Ende sicher nur an der Isar lachen kann, wenn Magath sich selbst Knüppel in die Beine wirft, Hertha es mit den Nerven zu tun kriegt – und der FCB die restlichen Spiele gewinnt. Es wäre der verrückte Abschluss einer noch viel verrückteren Saison, die so mit Sicherheit niemand auf dem Zettel hatte; am allerwenigsten wohl die Verantwortlichen an der Säbener Straße.

Denn mit Klinsmann sollte der Fortschritt kommen, der Umbruch, der für nötig erachtet wurde.

Das sollte jedoch nicht vollends auf Kosten der Ergebnisse gehen, denn bei allem Reformwillen sollte die CL-Quali nicht in Gefahr sein – und da gab es wohl ein folgenschweres Missverständnis. Denn während in der Hinrunde und vor allem in der Rückrunde dieses Ziel ernsthaft in Gefahr geriet und bei weitem noch nicht in trockenen Tüchern ist, schien das den Trainer zwar nervös zu machen, aber nicht unbedingt klarer in seiner Personalpolitik und taktischen Ausrichtung. Gerade gegen Wolfsburg und Barcelona offenbarte er einen fast schon blinden Aktionismus, der an der Existenz eines stimmigen Konzeptes (von dem ja nur allzu oft die Rede war) zumindest leicht zweifeln ließ.

The trend is your friend.

Und dieser Trend sollte Klinsmann zum Verhängnis werden. Ein Übergangsjahr (was beim FCB schlichtweg die verpasste Meisterschaft, aber keinesfalls UEFA-Cup heißt) hätten sicher die meisten akzeptiert, wenn auch nur irgendwie erkennbar gewesen wäre, dass sich hier einiges verändert – und zwar zum Besseren. Das war jedoch nicht der Fall. Spieler wurden nicht besser, sondern eigentlich ausnahmslos schlechter. Hinzu kam eine Hilflosigkeit, die vor allem bei den entscheidenden Spielen schmerzhaft offensichtlich wurde. Wenn man jetzt den Spieß umdreht (und in dieser Richtung hatte ich zum Schutz des Trainers auch schon oft argumentiert), dann hatte die Mannschaft schlichtweg keinen Bock mehr auf den Trainer und ihn gemobbt. Andererseits wusste Klinsmann das auch nicht zu verhindern und untergrub seine anfangs sicher vorhandene Autorität zunehmend selbst.

Was bleibt, ist möglicherweise das spannendste Saisonfinale seit Jahren, aber auch die Erkenntnis, dass dieses mit ein wenig mehr Leistung und Einsatz jedoch extrem langweilig hätte werden können.

Montag, 27. April 2009

Und weg ist er!

Das schreibt zumindest die B***. Mehr dazu später.

Dienstag, 14. April 2009

Inventur

Die Depression nach der Klatsche in Barcelona hatte noch lange Nachwirkungen.

Es geht dem Ende der Saison entgegen. Bei einem Blick auf die Tabelle wird klar: Jedes Spiel zählt. Bleibt die Konkurrenz ähnlich instabil wie in den Wochen zuvor, ist sogar noch die Meisterschaft drin; eigentlich irrsinnig, aber warum denn nicht?

Trotzdem war mir das Ergebnis schon vor dem Spiel irgendwie egal, denn spätestens nach dem Hinspiel gegen Barca ist den meisten klar geworden, dass gar nichts mehr klar ist und niemand gerade so recht weiß, wo die Reise hingehen soll.

Muss schon wieder ein radikaler Schnitt her? Und soll dieser beim Trainer anfangen?

Ich geb’s ja zu: Über eine Niederlage gegen Frankfurt hätte ich mich vielleicht sogar gar nicht geärgert, wenn der Trainer danach gegangen wäre. Mit Klinsmann bin ich noch nie warm geworden; als Nationaltrainer nicht und jetzt als Bayern-Trainer auch nicht. Lange wollte ich glauben, dass sich schon noch alles zum Guten wenden würde – und dann kam Barcelona und zeigte, dass es bei einigen Spielern an den absoluten Basics mangelt.

Aber kann der Trainer etwas dafür?

Es wäre schön und fast schon beruhigend, wenn man diese Frage mit einem klaren Ja oder Nein beantworten könnte, aber so einfach ist es leider nicht.

Natürlich, auch sowas fällt in den Zuständigkeitsbereich des Trainers, aber der steht im Endeffekt nicht auf dem Platz. Und wenn eine Mannschaft dann auseinanderbricht wie gegen Wolfsburg oder Barca, dann steht der Trainer draußen und ist die arme Sau, egal ob er Klinsmann, Magath oder Hitzfeld heißt. Da muss sich die Mannschaft dann schon selbst an der Nase packen. Wenn man was aus dem ganzen Debakel gelernt hat, dann sollte es die Erkenntnis sein, welchen Spielern dringend ein Vereinswechsel aufgezwungen werden soll. Ich hoffe, dass es hier wirklich mal ernsthafte Konsequenzen gibt.

Und da wären wir bei einem Punkt, der in letzter Zeit bei all dem Wirbel um Klinsmann gerne mal übersehen wird. Wie sah denn nach dem Investitionssommer 2007 die Einkaufspolitik der Vereinsführung aus? Man verließ sich darauf, dass eine Mannschaft, die auch schon 07/08 deutliche Schwächen zeigte, sich weiterentwickelt, und holte noch einen Borowski in die Mannschaft. Im letzten Moment kam dann noch Oddo als Leihgabe von Milans Bank. Die Transfers von Gattuso und Flamini scheiterten leider, einen Plan B gab es offensichtlich nicht. Jansen und später Kroos wurden abgegeben/ausgeliehen.

Man dachte, dass mit Klinsmann noch mehr aus der bestehenden Mannschaft herauszuholen sei, aber zum jetzigen Zeitpunkt sieht es so aus, als ob es nicht ginge. Und damit sind wir wieder beim Trainer. Verbietet er es Lell/Oddo, nahe beim Gegner zu stehen? Verbietet er es Schweinsteiger, annehmbare Flanken zu schlagen? Verbietet er es Demichelis, sichere Pässe zu schlagen?

Nein.

Es sieht vielmehr so aus, als hätten einige Spieler in der letzten Saison wohl an ihrem Limit gespielt. Mit anderen Worten: Auch Klinsmann kann nicht aus Scheiße Gold machen.

Und wenn man schon den vielbeschworenen internationalen Vergleich ziehen will: Wie lange hat ManU gebraucht, um wieder regelmäßig in der ersten europäischen Reihe zu stehen? Barca? Liverpool? Eben. Zu oft wurde in den letzten Jahren der kurzfristige Erfolg über langfristige Planungen gestellt. Und zu oft musste man sich mit mittelmäßigen Spielern durchwurschteln, die in den großen Spielen den Schwanz einzogen und ihre wahres, erschreckendes Gesicht zeigten.

Inventur ist angesagt.

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