Montag, 2. November 2009

Wenn es doch nur keinen Konjunktiv gäbe

Der Fußball findet ja bekanntlich im Indikativ statt und daher sparen wir uns mal lieber die Gedankenspiele, was gewesen wäre, wenn der FCB dann doch in Stuttgart gewinnen hätte können. Nur mal so am Rande: Nur noch zwei Punkte auf Platz eins wären’s gewesen. So sind’s immer noch vier, was angesichts der acht Punkte, die es schon mal waren, immer noch ok ist.

Auch wenn die Tendenz in den letzten Partien klar nach oben ging, hatte ich kein 100%ig gutes Gefühl vor dem Spiel in Stuttgart, denn die Ausgangslage war eigentlich zu gut: Bayern im Aufwind, Stuttgart im freien Fall. Dazu gaben die Konkurrenten vor uns teilweise überraschend Punkte ab. Eigentlich müsste ich jetzt schäumen und mich über mangelnde Einstellung beklagen, aber andererseits wurde am Samstag eben auch wieder klar, dass die Mannschaft wohl noch nicht ganz so weit ist, wie sie für Gewaltakte und „herbeigewollte“ Siege sein müsste. Bei allen Offensivbemühungen wurde weiterhin ziemlich defensiv gedacht. So kam’s mir zumindest vor.

Das Tor von Toni kurz vor Schluss wäre natürlich die Krönung und Wasser auf die Mühlen all derer gewesen, die das vielbeschworene Bayern-Dusel wieder zurückkommen sahen. Das wäre dann auch dem Linienrichter zu heikel geworden – und so entscheiden wir lieber mal auf Abseits. Hoppla, das hört sich jetzt schon wieder zu stark nach Verschwörungstheorie an.

Und da muss die Mannschaft noch dazu lernen. Im Ligaspiel gegen Frankfurt hat das beständige Spielen dazu geführt, dass am Ende der verdiente Siegtreffer heraussprang. Aber darauf sollte man sich nicht immer verlassen. Stattdessen sollte man von Anfang an oder zumindest schon viel früher so viel Druck aufbauen und diesen auch beständig hoch halten, dass der Gegner irgendwann nicht mehr kann. Dann muss man sich auch nicht über fünf Zentimeter hin oder her bei einer Abseitsentscheidung ärgern.

Woran liegt’s? Schwer zu sagen. Vom fußballerischen Grundgerüst schaut das alles sehr schön aus: Ordnung, klare Aufgabenverteilung, Spielkontrolle. Was momentan fehlt ist einerseits dieser allerletzte Zwang, mit dem die verdammte Kugel zum Schluss dann doch über die Linie gedrückt wird. Andererseits auch die überraschenden, kreativen Elemente, mit denen aus dem aktuellen Kader keiner aufwarten kann. Und dies ist nicht als Vorwurf an Mannschaft oder Trainer zu verstehen, bitteschön. Wenn man sich unser aktuelles Mittelfeld mal anschaut, dann sollte einem schnell klar werden, dass man mit spielerischer Brillanz und Tempo-Dribblings da erst mal nicht rechnen braucht: van Bommel, Tymoschtschuk, Schweinsteiger; der Einzige, der noch für lichte Momente sorgen kann, ist Müller – aber halt auch nicht ganz alleine.

Ich bin in diesem Fall da ganz bei Uli Hoeneß, der völlig zu Recht darauf hinweist, dass dem FCB ohne Ribéry und Robben halt ein nicht zu ersetzender Bestandteil fehlt. Und so muss man halt das Beste aus der aktuellen Situation machen.

Ich möchte hier wirklich nicht alles schönreden, aber man hat am Samstag doch ganz deutlich gesehen, dass viele Spieler immer noch mehr damit beschäftigt sind, die Grundordnung und das Spielsystem zu wahren als im Hurrastil mit der Brechstange permanent nach vorne zu laufen. Letzteres mag zwar ganz nett anzuschauen sein und manchmal auch die nötigen Ergebnisse liefern, aber ich denke, dass viele in dieser Hinsicht arg gebrannte Kinder aus dem Vorjahr sind, die das Spektakel erst mal lieber nach hinten stellen.

Und so möchte ich auch mit einer positiven Note schließen: Tymoschtschuk. Was hab ich mich über den in den letzten Wochen aufgeregt. Keine Übersicht, Fehlpässe, langsam. Und jetzt? Wie ausgewechselt. Da scheint einer verstanden zu haben, um was es hier geht und wie man in der Mannschaft bleibt. Und sowas freut mich immer immens (ähnlich wie es mich vorher genervt hat), denn solche Entwicklungen sind mit Blick auf die restliche Situation absolut essentiell.

Dass momentan eine Phase der Konsolidierung eintritt, sieht man sogar an Braafheid. Ja, auch bei ihm kann man eine Steigerung feststellen. Er verstolpert zwar immer noch Bälle und hat bei manchen Flanken ein katastrophales Stellungsspiel, aber zumindest in der Vorwärtsbewegung klappt das alles schon viel besser.

Irgendwie haben wir zwar in letzter Zeit nur noch solche Wochen, aber die nächsten beiden Heimspiele haben’s auch schon wieder in sich. Morgen gegen Bordeaux werden, so wie’s momentan aussieht, in der Champions League die Weichen für den weiteren Weg gestellt; und am Samstag kommt Schalke 04 – also die nächste Möglichkeit, Boden gutzumachen.

Ich sehe die momentane Lage zwar nicht rosarot, aber auch nicht ganz so dramatisch. Man sollte zwar, wie oben schon erwähnt, im Indikativ bleiben, aber die Aussicht, dass jetzt zumindest Robben wieder mitspielt und irgendwann auch Ribéry, lässt mich definitiv ruhiger schlafen.

Und wer weiß, vielleicht wird’s ja mit Ulis Weihnachtswunsch ja doch noch was.

Samstag, 31. Oktober 2009

Schadenfreude auf bayerisch

Selten konnte man in letzter Zeit ein Spiel des FCB so entspannt verfolgen. Die Tore fallen, der Gegner bricht auseinander und zähneknirschend gibt sogar Marcel Reif zu, dass das da gar nicht mal so schlecht ist, was die Bayern hier abziehen. Gekrönt wird das Ganze dann noch von einer Kneipe, in der sich Bremer, Lauterer, Turner und vielleicht sogar ein paar Schalker versammelt haben, um DER SENSATION beizuwohnen. Tja, liebe Leute, da habt ihr geifernd eure Messer zu früh gewetzt, denn so einfach ging’s dann doch nicht.

Und weil wir gerade bei Schadenfreude sind: Es war schon fast eine Augendweide, wie Thomas Müller den Franz (also den Maik jetzt, nicht den Kaiser) ein ums andere Mal nass gemacht hat. Nicht dass ich was gegen den ehemaligen Karlsruher hätte, im Gegenteil; aber die Fouls vom letzten Samstag hatte ich auch noch nicht vergessen (auch wenn Müller durch seine Flugeinlagen da natürlich mit Schuld dran war).

Marcel Reif durfte als Kommentator natürlich nicht fehlen, und da gab es ja diese schöne Kolumne vor dem Spiel, in der er sich in aller Deutlichkeit mit van Gaal und seiner bisherigen Arbeit beim FCB auseinander setzt – selbstverständlich in altbewährter Reifscher Objektivität, die ihn immer dann ergreift, wenn die Roten aus München das Thema sind. Umso verwunderter durfte man dann schon ob des engelszungengleichen Lobes sein, das die Silberlocke für unser Spiel parat hatte. Möglicherweise war es nur meine spezielle Wahrnehmung, aber ich glaube gehört zu haben, dass er sich gleichzeitig einen Kugelschreiber in die Hand gerammt hat, um diesen Schmerz zu überwinden.

Ähnliches hätte auch gut und gerne Olaf Thon widerfahren dürfen. Dass gerade in turbulenteren Zeiten jeder, der irgendwann mal was mit dem FCB zu tun hatte (und sei es nur als Zeugwart des Kreisligisten, bei dem man vor fünf Jahren mal ein Vorbereitungsspiel gemacht hat), aus seinem Kämmerlein kommt und seinen alten Senf abgibt, ist ja ein normaler Vorgang, der an mir abperlt; aber wenn ehemalige Spieler sich zu Statements wie „van Bommel ist überschätzt“ oder „diesen Pass hätte ich ihm nicht zugetraut“ aufschwingen, dann steigt auch bei mir kurzfristig der Blutdruck und ich mache mal wieder die Schublade mit der Aufschrift „Nicht mal Greenkeeper“ auf... Furchtbar, sowas, wurde auch zu Recht von van Bommel höchstselbst Lügen gestraft. Aber das ist wohl Thons schlechter Umgang auf Schalke.

In sich hineinlachen wird zur Zeit wohl auch van Gaal. Sein Weg kam und kommt ja bei vielen noch nicht so gut an, wobei man bei Gomez fairerweise sagen muss, dass er sich einwandfrei verhält und hier keinen auf beleidigte Leberwurst macht; so kommt es mir zumindest vor. Dass er sich das „anders vorgestellt“ hat, ist ja nur zu logisch. Der kommt als Nationalstürmer für einen Haufen Geld und mit 24 Toren im Gepäck nach München, trifft am Anfang auch noch und wird aber ob seines ansonsten eher durchschnittlichen Spiels auf die Bank gesetzt. Da machen wohl nur Geißböcke einen auf gute Laune. Und das ist auch gut so. Sympathisch auch, dass er nicht aufgestellt werden will, weil der Trainer Mitleid mit ihm hat (Ex-Verein und so), sondern weil er es sich durch Leistung verdient hat. Gomez muss sich nur ein Beispiel an Luca Toni nehmen, um zu sehen, wie man es bei van Gaal wieder in die Mannschaft schafft, auch wenn ihn viele schon auf dem Weg nach Italien sahen: Einsatz, kämpfen, beißen und sich für nix zu schade sein. Und gerade das hat man bei Gomez in letzter Zeit vermisst, denn es muss ihm jetzt egal sein, ob er zehn oder zwanzig Minuten vor Schluss bei welchem Spielstand auch immer reinkommt.

Ganz anders dagegen Demichelis, der immer noch in dem Glauben ist, einen Stammplatz im Vertrag stehen zu haben. Auch hier sollte ein Blick zu Toni genügen. Der hat nämlich auch erst wieder gespielt, als er sich seinen Startplatz verdient hatte. Da hat’s Micho natürlich gerade ziemlich schwer, weil unsere Innenverteidigung mit van Buyten (nur mal angenommen, man würde ihm eine Totengräberkluft geben: er würde ausschauen wie The Undertaker, oder?) und Badstuber momentan ganz gut funktioniert. Da muss er auch mal die Klappe halten und nicht zur nächsten Zeitung rennen, wenn ihm was nicht passt. Aber auch das ist ja bei ihm nix Neues. Schade, eigentlich.

Vorschlag zur Güte: Wie wär’s, wenn wir ihn mal als rechten Verteidiger ausprobieren (Lahm dann wieder auf links), denn recht viel schlechter als die bisherigen Varianten kann’s ja auch nicht sein. Warum Braafheid immer wieder spielt, ist mir einfach schleierhaft; andererseits ist Pranjic auch nicht gerade die Wucht.

So gesehen sind die beiden wohl die legitimen Nachfolger von Lell und Oddo.

Spielt der eine, wünscht man sich den anderen.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Der böse Geist ist wieder da

Es war schon paradox. Mein FCB schießt ein Tor, ein wichtiges Tor sogar, und ich steh einfach nur da und tue: nichts. Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen, soviel ist sicher; der Druck war immens. Alles andere als ein Sieg, und der Baum brennt lichterloh; dazu ein Gegner, der in erster Linie mal auf Verhinderung aus ist, was ja nie besonders schön ist. Aber legitim. Und da kann ich einfach nicht verstehen, warum man sich darüber immer noch mokieren muss. Es ist ja nicht so, dass das ein neuer Trend wäre. So geht das schon seit ein paar Jahren, nur mittlerweile tut sich der FCB mit solchen Gegnern immer schwerer, vor allem wenn im Mittelfeld keine kreativen Leute auf dem Platz sind.

Denn auch wenn er gestern mal wirklich grottig war, darf man von Schweinsteiger sowas nicht erwarten; das war er nie, das wird er nie sein. Tymo noch weniger. Man sollte ja den Stab nicht zu schnell über einzelnen Spielern brechen, aber der bleibt mittlerweile schon arg weit hinter den Erwartungen zurück. Der Tiefpunkt war für mich das gestrige Spiel, dessen Ende er auch dankenswerterweise nicht mehr auf dem Platz verfolgen durfte. Dass ihm besonders die Übersicht abgeht, war gerade in der ersten Hälfte zu erkennen, als er einige Male zu einem völlig freistehenden Lahm auf den rechten Flügel passen hätte können, aber es vorzog, planlos in die Mitte zu flanken oder zu passen, wo schon mehrere Frankfurter warteten.

Van Gaals Idee gegen Ende war natürlich schön und kann – je nach Gesinnung – entweder als Beweis seiner Genialität oder als unglaubliches Massl verstanden werden. Für mich war’s irgendwie eine Mischung aus beidem. Das Ergebnis (und da hat’s ja in letzter Zeit oft gehakt) hat jedenfalls gestimmt. Und so können wir nun auch beruhigt nach Frankfurt fahren, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eintracht dasselbe nochmal vor eigenem Publikum probiert, zumal es ja am Ende auch nicht gereicht hat.

Eine weitere Erkenntnis sollte sich auch für alle diejenigen eingestellt haben, die auch an Robben schon leichte Zweifel angemeldet hatten. Wieviel dieser Bursche für uns wert ist, hat man nach seiner Einwechslung gesehen, als das Spiel des FCB (gefühlt) allein durch seine Präsenz noch mal ein paar Ecken schneller und für die Eintracht damit endgültig zu schneller wurde. Man darf halt jetzt nur nicht den Fehler machen, der bei Ribéry meines Erachtens viel zu oft gemacht wurde, und Robben nun gleich wieder auf Teufel komm raus voll einzusetzen. Der soll seine Verletzung jetzt noch komplett auskurieren, damit er bald nicht wieder mit Franck zur Reha humpelt.

Insgesamt ist es natürlich schön zu sehen, dass sich nun die üblichen Verdächtigen umso mehr über Bayern auskotzen, weil sie alle schon gedacht haben, dass es mit diesen widerlichen Siegen kurz vor Schluss jetzt doch noch ein Ende haben könnte und die selbsternannten Fußballästheten nun endlich ihre selbstgerechten Schlaf finden, weil sie der böse Geist des FCB nicht mehr permanent umtreibt.

Was unsere Stürmer betrifft, so sollte auch am Samstag wieder klar geworden sein, wer da vorne momentan die Hosen anhat: unser Luca. Freut mich für ihn ja besonders, da er ja anfangs schon leiden musste, aber sich auch für die dritte Liga nicht zu schade war. Weiter abzurutschen droht allerdings Klose, denn irgendwann reicht es halt nicht mehr, wenn als Spielbeurteilung zum zigsten Mal „bemüht, mit Einsatzwillen, etc.“ dasteht, denn Tore schießen darf er nach wie vor, oder? Und überhaupt spielte ja gegen Ende kurz mal eine Variante, die ich gerade gegen Verhinderer ja schon viel früher mal hätte sehen wollen: die Zwei Türme, Luca und Mario. Man muss jetzt keinen Trainerschein haben, um sich ausmalen zu können, dass zwei großgewachsene Wühler, die sich beide (!) im Strafraum gegen verkappte Handballmannschaften voll reinhauen, schon mal ein Loch reißen, einen reinwurschteln oder von mir aus auch nur einen Abpraller abstauben.

Und da wären wir schon beim nächsten, teilweise positiven Punkt des gestrigen Spiels: Es wird wieder geschossen. Endlich, möchte ich hinzufügen, denn es bedurfte mal wieder einer kompletten Halbzeit, bis der gemeine Schuss als adäquates und auch durchaus legitimes Mittel zum Torerfolg entdeckt und auch akzeptiert wurde. Mehr davon, bitte.

Hm, rückblickend eigentlich gar kein so übler Kick, auch wenn mein allgemeines Befinden nach dem Spiel das Ganze nicht so wiederspiegelte; muss wohl wirklich an den letzten Wochen gelegen haben.

Und weil wir vorher schon bei Geistern waren (um diese Jahreszeit natürlich gerne genommen): Vielleicht schafft es die Mannschaft ja doch wieder, den alten Geist der Dusel-Bayern zu beschwören, die grauenhaften Fußball spielen und ihre Erfolge nur einer ganz großen Verschwörung zu verdanken haben, an der neben Uli Hoeneß sicher auch der Fußballgott beteiligt ist.

Alles also wie gehabt.

Freitag, 23. Oktober 2009

Kartenhäuser

Es hätte alles so schön werden können. Ein gemütlicher Abend mit in der Kneipe, der FCB geht gleich zu Beginn in Führung – und dann begann leider das Fußballspiel erst so richtig.

Nun ist van Gaal ja ein ausgewiesener Fachmann, dem es unverkennbar gelungen ist, in einen Hühnerhaufen wieder Ordnung hineinzubringen, so dass man den Gegner oft durch schieren Ballbesitz und gute Organisation dominiert – so gesehen schon oft in der Saison, nur manchmal ohne die nötigen Tore.

Davon war leider am Mittwoch so gar nichts zu sehen. Das gesamte Mittelfeld bewegte sich wie eine Ausgeburt der Chaostheorie; dabei war es egal, ob die Bewegung nach vorne oder hinten ging – von einem Plan, einer Ordnung oder irgendwas in der Richtung überhaupt keine Spur. Wir saßen nach dem Spiel noch lange zusammen und rätselten, woran es denn gelegen haben mag. Einig waren wir uns dabei nie und irgendwann schien das Ganze auch egal. Es war unterm Strich eine vollkommen desolate Leistung, bei der sich keiner besonders hervortat, weder im Guten noch im Schlechten – insofern eine geschlossene Mannschaftsleistung.

Und auch wenn ich nach wie vor voll vom Trainer überzeugt bin, so stellten sich beim Blick auf die Aufstellung vor dem Spiel zumindest leichte Zweifel bei mir ein. Da fallen unsere beiden wichtigsten Kreativspieler im Mittelfeld aus, aber es wird weiter am 4-3-3 festgehalten. Ich finde das System ja auch klasse, aber wenn der zur Verfügung stehende Kader das nicht hergibt, dann muss man halt auch mal was Anderes probieren. Haben wir nicht in Freiburg mit 4-4-2 inklusive Doppelsechs gespielt? Sicher, Freiburg kann man nun wahrlich nicht mit Bordeaux vergleichen, aber gerade wenn man personell etwas angeschlagen in der Champions League auswärts beim stärksten Gruppengegner (und das hätte einem auch schon vorher klar sein müssen) antritt, dann sollte man selbst vielleicht nicht gleich mit gezückter Klinge nach vorn laufen.

Aber dann kam ja das frühe Tor und alles schien in Butter. Was darauf folgte, war mit dem Einsturz eines Kartenhauses vergleichbar: Erst wackeln ein paar Teile und dann bricht das Ganze immer schneller zusammen. Von daher war das 2-1 zur Pause äußerst glücklich.

Zu Müllers Platzverweis sei nur soviel gesagt: Er kann beim zweiten Foul von Glück reden, dass er nur nochmal Gelb und nicht glatt Rot sah, was eine längere Sperre zur Konsequenz gehabt hätte. Bei all dem, was über den Burschen in den letzten Tagen und Wochen hereingebrochen war, ist es natürlich kein Wunder, dass er jetzt erst recht zeigen will, dass er sich von sowas nicht ablenken lässt. Vielleicht tut ihm dieser Denkzettel jetzt mal ganz gut. Der Bruch war diese Aktion für das Bayernspiel aber sicher nicht, denn der kam irgendwie mit dem Führungstreffer. Genau hier hätte man sich auf das verlegen müssen, was in den letzten Wochen so wunderbar geklappt hat: Ballbesitz, Ballbesitz, Ballbesitz – denn wenn wir die Kugel haben, kann der Gegner kein Tor schießen.

Stattdessen servierte man Bordeaux die erste Halbzeit auf dem Silbertablett, ohne auch nur irgendwelche Anstalten zu machen, daran bald etwas zu ändern. Dass dann nach der Pause noch sowas wie Aufbäumen kam, ist zwar schön, aber es offenbarte auch wieder die Hilflosigkeit des Teams an diesem Abend. Und sowas gibt mir einfach Rätsel auf. Wie kann eine Mannschaft, die scheinbar einen Plan hat und diesen auch konsequent versucht umzusetzen (wie z.B. gegen Juve), so auseinanderfallen? Auch zwei Tage später weiß ich darauf keine plausible Antwort.

Vielleicht (hoffentlich) lässt sich das ganze ja in die Schublade mit „diesen Abenden“ legen, an denen gar nix klappt und alles auch noch einen sehr grotesken Verlauf nimmt (s. Butt und die Elfmeter). Ich hoffe inständig, die Mannschaft kann diese vorsichtig optimistische Einschätzung bestätigen, denn bei einem Blick auf den Spielplan fröstelt’s mich schon ein wenig: zwei Spiele gegen die Verhinderer aus Frankfurt, dann auswärts in Stuttgart (für die sind wir doch sicher dann der richtige Aufbaugegner), darauf das Schlüsselspiel gegen Bordeaux und zum Abschluss ein Heimspiel gegen Schlake.

Dann ist erst mal Länderspielpause.

Ob das dann gut oder schlecht ist, werden wir ja sehen.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Man kann es nicht allen recht machen

Man versammelte sich also am Samstag zum fröhlichen Minutenzählen, und mit jeder Minute wuchs die pure Freude, den FCB wieder an einer Betonabwehr verzweifeln zu sehen. Aber dann gewann der FCB doch und das passte auch wieder keinem. Und so muss man, wenn einem schon das Ergebnis nicht passt, halt über die Art und Weise stänkern.

Damit wir uns im Vorfeld nicht falsch verstehen: Ich hätte auch gerne offensiven Zauberfußball gepaart mit einer bombenfesten Abwehr und hundertprozentiger Effizienz. Aber mal ganz ehrlich: Wann und wo bekommt man das schon?

Gerade wenn man sich die Voraussetzungen des FCB am Samstag anschaut, war nichts anderes als ein unspektakulärer Sieg zu erwarten: van Bommel und Toni nach langer Zeit wieder mit dabei und mit Ribéry, Robben und Olic quasi unser gesamtes offensives Mittelfeld verletzt. Wie kann man da nur ein rauschendes Fußballfest erwarten? Gerade nach den letzten Ergebnissen war doch klar, dass auf schönen Fußball erst mal gepfiffen ist. Darüber mache ich mir wieder Gedanken, wenn wir auch gegen extrem defensiv ausgerichtete Gegner wieder sicher Tore schießen. Außerdem gab das Personal auch nicht mehr her: van Bommel und Tymo sind sicher keine Kreativ-Götter, Müller nicht der klassische Dribbler und Schweinsteiger hat seine Stärken auch eher im defensiven Bereich, was jetzt endlich auch mal erkannt wurde, weshalb der Junge auch weiterhin gut spielt – schlechte Standards hin oder her, aber da ist ja fast die ganze Mannschaft beschränkt.

Auch lustig in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass sich auch gerne über Thomas Müller mokiert wird, und zwar gerade weil er trifft und der sog. Multimillionenangriff nicht. Wie war das noch vor nicht allzu langer Zeit? Die Nachwuchsarbeit des FCB ist eh für den Kübel, da die eigenen Spieler eh nix werden und sich bei den Profis nicht durchsetzen können. Wenn ich mich recht erinnere, spielten gegen Juve und Köln Lahm, Badstuber, Ottl, Schweinsteiger und Müller von Anfang an. Ottl ist zwar mit Sicherheit keine Stammkraft, aber auch ihn konnte man bedenkenlos in solchen Spielen einsetzen.

Ähnliches Unverständnis rufen bei mir auch immer die vernichtenden Urteile zu Klose hervor, die man ja auch in schöner Regelmäßigkeit lesen darf. Klar werden Stürmer in erster Linie an Toren gemessen, aber das entspricht Kloses Spielt halt nur bedingt, was man ja auch am Samstag wieder gesehen hat. Er ist in dieser Hinsicht das genaue Gegenteil von Luca Toni, denn er geht auch mal weiter nach hinten und steht nicht nur vorne rum. Das soll allerdings keine Kritik an Toni sein, denn am Samstag hat man auch gesehen, wo sein Vorteil gegenüber Gomez momentan ist: Er haut sich mehr rein und sorgt ständig für Unruhe, sobald der Ball auch nur in seine Nähe kommt. Und auch wenn dabei oft nicht viel rauskommt, so ist es doch genau dieser permanente Wühler, den man gegen Mannschaften wie Freiburg, Köln oder auch Frankfurt nächstes Wochenende braucht.

Ich will ja nicht behaupten, dass beim FCB momentan alles toll ist. Gerade gegen Maurermeistermannschaften muss man neben den schon fast obligatorischen 70 % Ballbesitz auch mal mehr Tore erreichen. Und da würde es schon auch helfen, wenn man die Eitelkeiten mal zur Seite kehrt und so lange aus der zweiten Reihe aufs Tor feuert, bis das Ding reingeht, ein Abpraller abgestaubt oder das Ding von mir aus auch abgefälscht wird. Gerade wenn ich mir die abschließenden Schussübungen beim Aufwärmen anschaue, wird doch klar, dass wirklich jeder über einen Mordsschuss verfügt, der aber leider nie genutzt wird.

Was morgen allerdings kommt, ist für mich die schwerste Begegnung in der gesamten Hinrunde. Der Gegner wird zwar sicher nicht so defensiv daherkommen wie unsere letzten Kontrahenten, aber dafür ist die Kreativität auch wieder dünn gesät: Ribéry, Robben und Olic fehlen weiterhin.

Die selbsternannten Fußballästheten der schreibenden Zunft können also beruhigt sein: Es wird wieder was zum Stänkern geben.

Freitag, 9. Oktober 2009

Schießen, einfach schießen

Erst Wiesn, dann krank (ich streite nach wie vor ab, dass die beiden irgendwie miteinander verbunden sind), daher kurz mal Sendepause. Aber dafür stehen jetzt wieder Länderspiele an, und da hat man als Vereinsfan ja wieder mehr Zeit. Beispielsweise, um die aktuelle Situation des FCB ein wenig zu beleuchten. Zugegeben, der Blick auf die Tabelle nervt schon, vor allem wenn man bedenkt, wie da in letzter Zeit Punkte hergegeben wurden. Schönreden ist da auch nicht mehr wirklich drin, auch wenn ich die momentane Lage immer noch nicht so übel sehe.

Sicher, wir haben momentan eine leichte, hüstel, Torflaute, die uns dämliche Unentschieden und Niederlagen beschert. Hinzu kommt, dass am letzten Samstag wohl allesamt auf einmal das Flanken verlernt hatten (vorausgesetzt, sie konnten es jemals). Aber viel eklatanter war die Erkenntnis, dass selbst gegen den personifizierten Beton aus Köln sich alle zu schade waren, einfach mal schnöde draufzuhauen. Wenn sich ein Gegner schon nicht zu blöd ist, in diese kindliche Verhinderungshaltung zurückzufallen, dann muss man auch mal die groben Keulen auspacken, vor allem wenn schnell klar wird, dass die Flankengeber wohl das Zielwasser vergessen hatten.

Stattdessen wird der Ball immer und immer wieder quergeschoben, bis sich ein Kölner doch mal hintraut. Mir ist schon klar, dass bei dieser Herangehensweise auch mit viel Verlust gearbeitet wird, da einige Schüsse sicher abgeblockt werden; aber andererseits ist es bei mehr Schüssen umso wahrscheinlicher, dass ein Ball auch mal abgefälscht wird oder der Keeper mal einen vor unserer Stürmer Füße fallen lässt und sogar die mal wieder treffen. Mingablog spricht mir da aus der Seele.

Und da wird wieder klar, dass momentan (Ribéry hin, Robben her) vor allem zwei Spieler besonders fehlen: Mark van Bommel und Luca Toni.

Unser Kapitän besticht vielleicht nicht unbedingt zur seine brillanten technischen Fähigkeiten, dafür ist er sich in guter Drecksau-Manier auch nicht zu schlecht, auch mal außerhalb des Sechzehners einen aufs Tor zu wuchten. Und Luca? Tja, der eiert zwar gerne mal vorne ein wenig rum (vor allem, wenn er den Ball außerhalb des Sechzehners bekommt), aber dafür ist er halt auch einer dieser Stürmer, die sich so unorthodox bewegen, dass sie immer irgendwie einen reindrücken können. Das sieht zwar oft weder schön noch spektakulär aus, aber das kann einem am Ende (vor allem Gegner wie Köln) dann egal sein. Mir ist es das zumindest. Auf schönes Spiel ist wirklich gepfiffen, solange man nicht gewinnt. Denn hinter dieser leeren Phrase verstecken sich sonst nur die Bremer oder Hoffenheimer.

Und wer will schon so werden wie die?

Genau.

Ansonsten ist es schon fast bewundernswert, was für eine relative Ruhe bei all den Wasserstandsmeldungen und Mittelfeldplätzen in der Tabelle noch bewahrt wird. Ein Vergleich mit van Gaals Vorgänger um exakt diese Jahreszeit verbietet sich eigentlich schon fast, aber andererseits ist er auch sehr aufschlussreich, da hier neben dem fußballerischen auch ein lautstärketechnischer Unterschied herrscht. Es ist alles irgendwie ruhiger geworden – und damit angenehmer. Allein das ist schon ein Gewinn. Und wenn die Herrschaften auf dem Platz den Ball zur Abwechslung mal nicht ins Tor tragen wollen, dann passen die Ergebnisse (um die es unterm Strich ja dann doch geht) auch wieder.

Bei all dem Ärger gibt es nämlich immer noch positive Sachen zu vermerken:

Schweinsteiger scheint sich formtechnisch zu konsolidieren. Was in den letzten Jahren schon fast eine Beleidigung gewesen wäre, nimmt sich nun als astreines Kompliment aus. Der Junge macht und tut und ist im Mittelfeld ein echter Rückhalt geworden.

Lahm scheint sich langsam auf seiner rechten Außenverteidigerposition zurecht zu finden, so dass auch wieder mehr effektive Vorstöße nach vorne gelingen. Überhaupt arbeitet die ganze Defensive äußerst zuverlässig, so dass man nicht immer einen Herzkasperl bekommen muss, wenn der Gegner angreift.

Die Jungen im Allgemeinen: Über Müller und Badstuber gab es in den letzten Wochen ohnehin nur Positives zu berichten, aber eins muss noch erwähnt werden. Wenn man sieht, wie enttäuscht und sauer die jungen Spieler nach dem Abpfiff gegen Köln waren, dann spricht das so dermaßen für sie, dass einem trotz des Ergebnisses fast das Herz aufgehen konnte.

Wie gesagt, gut dass Länderspielpause ist, da kann man mal einiges sacken lassen und muss sich nicht immer über Köln ärgern.

Montag, 28. September 2009

Verloren. Na und?

So eine Reaktion wäre schon fast unter „Trotz“ zu verbuchen, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Sicher, die Niederlage gegen den HSV am Samstag nervt tierisch und war auch ein klein wenig unnötig, aber so ein Spiel kann man andererseits auch mal eher verlieren als eine Partie gegen, sagen wir mal, Hertha.

Während des Spiels musste ich ausnahmsweise Marcel Reif sogar Recht geben, der ein gutes Spiel zweier mehr oder minder gleichwertiger Mannschaften sah, dessen Tormangel kein Problem darstellte. Nur den Begriff „Schach“ hat er ein wenig überstrapaziert, aber sei’s drum. Wer braucht schon einen Kommentator?

Vielleicht konnte ich das Spiel und das Drumherum danach auch wegen der Wahl gestern gut ausblenden, aber irgendwie verfallen nach dieser Niederlage viele Leute in ungeahnte Hektik und reden auf einmal viel schlecht, das so übel gar nicht gewesen ist. Nehmen wir hier mal Breno. Ich kann mich an keine Szene erinnern, wo er komplett versagt und allein ein Tor verschuldet hätte. Dafür, dass es sein erstes ernstzunehmendes Spiel in dieser Saison war (noch dazu in ein einer Dreierkette), hat er eine ordentliche Leistung gezeigt. Überhaupt wird mir auf dem Jungen immer ein bisschen zu viel rumgehackt.

Genauso wie bei Schweinsteiger. Ohne Umschweife: Das war ein schlechtes Spiel von ihm. Dafür waren die letzten Spiele wirklich gut, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollten. Irgendwie ist das schon immer eine lustige Doppelmoral: Wenn Ribéry oder Robben schlecht spielen, dann wird selten und auch meist nur verhalten Kritik geübt, aber bei Schweinsteiger dürfen dann schon mal die Fetzen fliegen. Ich habe mich auch mal gerne über ihn ausgelassen, das war aber auch noch zu Zeiten, wo sich nichts anderes anbot. In dieser Saison (vor allem seit der Umstellung auf 4-3-3 oder Ähnliches) spielt er allerdings viel besser und kann auf dieser Achter-Position seine Stärken ausspielen, die in meinen Augen mehr in Balleroberung und Stellungsspiel liegen. Dass er oft noch zu langsam im Umschalten von Defensive auf Offensive ist, weiß er wohl selber, aber das ist noch lange kein Grund, ihn zum Teufel zu wünschen.

Anders bei Philipp Lahm. Was wurde da (gerne auch von seiner Seite) schon alles gesagt: Auf rechts sei er eh viel besser aufgehoben; in der Nationalmannschaft spiele er das ja auch. Tja, jetzt spielt er beim FCB auf rechts und was passiert? Der Junge ist nur noch ein Schatten seiner selbst; offensiv sowieso, aber mittlerweile auch leider defensiv. Es gibt natürlich meist mehrere Fehlerquellen für ein Tor, aber in dieser Saison ist Lahm schon erstaunlich oft entscheidend darin verwickelt. Am Samstag schenkte er dem einschussbereiten Petric wenig Beachtung und grundsätzlich kann der Gegner relativ unbedrängt Flanken von seiner Seite schlagen. Spätestens jetzt sollte klar sein, dass es auf der Rechtsverteidigerposition unbedingt Nachholbedarf gibt, denn unsere sog. Außenverteidiger auf der linken Seite siechen zurzeit mehr dahin, als dass sie auch nur ansatzweise Fußball spielen.

So. Jetzt ist es doch mehr Kritik geworden als mir lieb ist, weswegen ich auf Gomez und seine Problemchen mal verzichten werde. `

Aktuell läuft es trotz der Niederlage doch gar nicht so schlecht. Gerade die ersten 30 Minuten haben gezeigt, dass der FCB so ein Spiel wieder vollkommen dominieren kann. Wäre die Chancenauswertung etwas besser, würden sich viele heute nicht so künstlich aufregen müssen, sondern könnten das Schwärmen der letzten Wochen fortsetzen. Und solche Tage gibt’s halt auch mal: Da kannst du’s noch so oft probieren, irgendwas passt immer nicht. Darüber hinaus hat man schon gemerkt, dass unser Kapitän fehlt, der nach der ersten halben Stunde, als der HSV stärker wurde, die Mannschaft (auf welche Art und Weise auch immer ;-) ) wachgerüttelt hätte, so dass diese Sturm-und-Drang-Phase der Hamburger vielleicht auch gar nicht aufgekommen wäre. Naja, egal; dafür (und hier ist ein wahrer Quantensprung zum letzten Jahr festzustellen) stimmt die Leistung wieder und man muss sich nicht über mangelnden Einsatz und eine horrende Einstellung beklagen.

Außerdem: Am Mittwoch ist das nächste wichtige Spiel, in dem sich die Mannschaft neu beweisen kann, denn gewurmt hat die Spieler diese Niederlage gewaltig.

Und das war letzte Saison noch ganz anders…

Dienstag, 22. September 2009

Das Wochenende der Unscheinbaren

Was für ein schönes Wochenende. Es wird nochmal spätsommerlich warm. Die Wiesn startet. Sonst noch was? Ach ja, der FCB spielt gegen einen sogenannten Fußball-Club aus Nürnberg. Irgendwie ist dieser Vereinsname dann doch irritierend. Fußball-Club. Man könnte tatsächlich auf die Idee kommen, dass der im F enthaltene Sport noch eine Rolle spielt… Bevor es hier zu Missverständnissen kommt: Ich hatte nix anderes erwartet und ich will hier auch keinesfalls rumjammern; schließlich ist ein 11-0-0 auch ein legitimes System, das dem FCB auch willkommen ist, wenn man gegen Barca oder sonstwen verteidigen muss.

Und genau hier muss man – trotz Wiesen, etc. – auch mal einhaken dürfen: Endlich stand es irgendwann mal 1-0 und der Bann schien gebrochen. Muss es dann schon wirklich Hacke-Spitze-1-2-3 sein? Nun gut, der Gegner gab bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich Grund zur Besorgnis, aber muss man wirklich so aufreizend lässig spielen? Mit nur einem Tor Vorsprung?

Nein, muss (oder soll) man nicht, aber das sind halt die Bayern. Und spätestens bei diesem Satz überkommt jeden geschmeidigen Bayern-Hasser ein leichtes Déjà-vu. Bayern gewinnt wieder, ohne zu brillieren. Verdammt. Das ist doch das, was den FCB vor einigen Jahren wirklich furchtsam erscheinen hat lassen. Nicht nur national, sondern auch international. Ich bin natürlich weit davon entfernt, den einzigen Verein aus der Weltstadt mit Herz in CL-Titel-Sphären zu heben, aber die letzten Wochen haben schon extrem Bock auf mehr gemacht. Und genau da muss man jetzt ungebrochen weitermachen. Pokal – HSV – Juve. Das ist mal ein Fahrplan.

Gerne wurde am letzten Wochenende Schweinsteiger zur Sau (sorry, musste mal sein) gemacht. Ich frage mich nur: Warum? Mittlerweile scheint man für ihn die ideale Position gefunden zu haben: etwas defensiver, halblinks, ein klassischer Achter. Und genau das spielt er hervorragend. Dass er auf dieser Position nicht durch spektakuläre Flankenläufe auffällt, ist nur logisch. Dafür haut er sich in der absoluten Drecksarbeit rein, grätscht, kämpft und ackert. Über Flanken und Ecken decken wir mal noch gütigerweise den Mantel des Schweigens. Aber vielleicht bekommt er das ja auch noch in. Ich hab mich wahrlich schon oft über Schweinsteiger ausgekotzt, aber fairerweise muss ich meine Meinung auch mal revidieren: Tolle Entwicklung, richtige Position, eine absolute Verstärkung.

Und wenn wir gerade bei Lobhudeleien sind: Thomas Müller. Es ist eine absolute Freude, diesem jungen Burschen momentan zuzuschauen. Ballsicher, mit Übersicht und Spielverständnis, engagiert, aber nicht übermotiviert. Der Junge ist einfach klasse. Aber noch viel klasser ist die Tatsache, dass wir mittlerweile einen Trainer haben, der das alles auch anerkennt und nicht erst mal schaut, wieviel der Typ gekostet hat o.ä. Gerne wird in diesem Zusammenhang auch mal Holger Badstuber vergessen. Ach stimmt, der ist ja nun Stamm-Innenverteidiger – und spielt das mittlerweile für seine Verhältnisse extrem cool runter. Falls doch mal was daneben geht, genießt er bei mir absoluten Welpenschutz. Auch hier steht die Freude am Zuschauen absolut im Vordergrund.

Und überhaupt, weil wir gerade bei unterschätzten und gerne mal abgeschriebenen Spielern sind, die gute Auftritte und entsprechende Presse schon lange verdient haben: Daniel van Buyten. Was hat es mich für ihn gefreut, dass er diese Woche nicht nur zwei lebenswichtige Tore geschossen, sondern auch mehr als nur solide Leistungen in der Innenverteidigung erbracht hat. Der Typ ist Bayern-Fan und hat es geschafft, für seinen Lieblingsverein zu spielen. Allein das erklärt schon, warum er nach eher wenig befriedigenden Jahren immer noch beim FCB ist und sich auch gerne mal mit der Rolle des Chefübersetzers zufrieden gibt. Daniel, danke für Deine Tore, und ich hoffe, dass Du weiter so stabil hinten drin stehst wie in den letzten Spielen.

Nach einem Derby-Sieg zum Wiesn-Auftakt gegen den Blubb darf man auch mal fünf Maß gerade sein lassen (weil man unterm Strich eh nur vier Liter bekommt), weshalb sämtliche Ausfälle vom Samstag heute mal ungeschoren davonkommen.

Der Trainer weiß sowieso, wer gemeint ist.

Und das ist ungemein beruhigend.

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