Die Rede ist natürlich von unserem Trainer. 3-1 in Wolfsburg gewonnen, das Ganze einigermaßen souverän, die Konkurrenz patzt und als Resultat punktgleich mit dem Ersten. Liest sich erst mal ganz nett und am Ende zählt zwar auch nur das, aber andererseits war ich auch nicht gerade euphorisch nach dem Spiel beim Meister (tatsächlich, das sind sie).
Einer der Gründe war mal wieder Martin Demichelis. Es überkommt mich immer noch ein kalter Schauer, selbst wenn er ohne Bedrängnis hinten an den Ball kommt. Genauso wie bei Ribéry oder Robben ist nicht so ganz klar, was passiert; nur dass das bei ihm keine Freude hervorruft. Zur Zeit können wir noch froh sein, dass entweder van Bommel und Schweinsteiger die Dinger schon vorher abfangen oder der Gegner den Ball nicht im Tor unterbringt. Gerade gegen Wolfsburg wurde das sehr augenscheinlich. Dass der Bayern-Sieg trotzdem als recht souverän eingeschätzt wurde und van Gaals Grummeln als lustige Notiz am Rande, hat mich dann doch ein wenig gewundert.
Es ist allerdings nicht nur die Defensive, die mir ein wenig Sorgen macht. Drei Tore in einem Auswärtsspiel sollten eigentlich genug sein, aber auch diesmal hätten es deutlich mehr sein können, was diesmal jedoch weniger an der mangelhaften Chancenverwertung lag, sondern eher an schlampig zu Ende gespielten Angriffen, die viel öfter zu Torchancen und vielleicht sogar Toren hätten führen müssen. Ich würde zwar nicht so weit gehen, das als Arroganz zu bezeichnen, sondern vielmehr als Sorglosigkeit. Das schmerzhafte Ergebnis könnte jedoch das Gleich sein.
Solange der Gegner die eigenen Chancen vergibt und wir uns genug Chancen herausspielen, um sogar bei grottiger Verwertung eine Handvoll Tore zu machen, ist ja noch alles in Ordnung, aber wehe, ein Gegner ist mal effizient und vorne läuft es nicht 100%ig rund. Dann steht der FCB am Ende schnell mal dumm da und macht sich – wie das van Gaal auch richtig gesagt hat – viel kaputt.
Von daher ist das morgige Spiel im Pokal gegen Fürth genau die richtige Begegnung. Zu Hause gegen einen Zweitligisten – eindeutiger kann es kaum gehen. Butt, Schweinsteiger und van Buyten sind angeschlagen und/oder dürfen mal Pause machen; dafür dürfen Rensing, Ribéry und Pranjic ran. Es könnte also tatsächlich interessant werden. Ausreden zählen da aber trotzdem nicht. Arroganz hin oder her – alles andere als ein einigermaßen ungefährdeter Sieg wäre zumindest bedenklich.
Überhaupt stehen darüber hinaus auch (schon wieder?) entscheidende Spiele an. Am Samstag dann gegen Dortmund. Von Namen her ein Klassiker, mittlerweile aber wieder eine recht klare Angelegenheit; trotzdem nicht weniger entscheidend, wenn man an Leverkusen und an die Meisterschaft denkt. Überhaupt, die Tabellenführung. Mittlerweile wird sie ja wöchentlich heraufbeschworen, vor allem weil sich der Abstand ja gefühlt minütlich verringert. Spätestens jetzt fallen einem natürlich wieder die vergebenen Chancen gegen Bremen und Mainz ein.
Da hätte der Trainer auch mal böse werden können.
elmarinho - 9. Feb, 23:15
Spannung muss sein, natürlich. Aber das war genau die Art von Spannung, auf die ich bei Bayern-Spielen gerne verzichten kann. Es war natürlich wahnsinnig schön, gerade in Bremen so zu gewinnen und dabei dermaßen überlegen zu sein, dass von wirklich niemandem das mysteriöse Bayern-Dusel bemüht wurde und sogar die Werder-Spieler am Ende mächtig froh waren, nur 2-3 verloren zu haben.
Das ist schon irgendwie bemerkenswert und spricht Bände über das Auftreten des FCB letzten Samstag. Und das in Bremen, wo wir es wahrlich nicht immer leicht hatten. Dabei auch noch zuerst in Rückstand und zwischenzeitlich wieder der Ausgleich. Mannschaften, die in sich etwas weniger gefestigt sind, könnte sowas schon vollends aus dem Gelichgewicht bringen. Wenn man dazu auch noch Großchance über Großchance versiebt, dann beißt man als Fan vor lauter Verzweiflung schon gerne mal in die Tischkante.
Von daher gab mir das 2-2 erst mal den Rest, denn es wäre nicht auszudenken gewesen, wenn es dabei geblieben wäre. Dann hätte die grottige Chancenverwertung nämlich richtig weh getan.
Momentan scheint alles zu passen.
Doch es gibt immer noch ein oder zwei Dinge, die mich noch nicht so ruhig schlafen lassen. Auch wenn es die letzten zwei Spiele gut ging und ich mich wiederhole, so gehen unsere Spieler gerade mit den Chancen zu leichtfertig um. Das einzig Beruhigende in dieser Hinsicht ist, dass es jedoch nach wie vor genug Möglichkeiten in jedem Spiel gibt, dass am Ende schon ein paar Dinger reingehen. Verlassen kann man sich darauf allerdings auch nicht immer.
Die andere Sorge reduziert sich bei mir auf einen Spieler, und das ist Martin Demichelis. Für einen kapitalen Aussetzer pro Spieler war er ja schon immer gut, nur mittlerweile wird’s mir immer etwas mulmig, wenn er am Ball ist – vor allem wenn er als letzter Mann zu dribbeln anfängt. Dass er beim Ausgleich entsprechend bedröppelt aussah, passte dabei gut ins Bild.
Und dann kam dieses arge Ding von Robben. Als der Ball zur Hälfte unterwegs war, dachte ich mir noch, dass es schon wieder nix wird mit einem Standard und der Ball wohl irgendwo im Bayernblock wieder runterkommen wird. Tja, und dann veränderte sich die Flugbahn auf einmal heftig nach unten, so dass der Ball nach kurzem Kontakt mit der Latte im Tor einschlug. Wahnsinn! In die Freude über dieses phantastische Tor mischt sicher vor allem auch Erleichterung, so schnell wieder zurückgeschlagen zu haben.
Und dann ging das Leiden von vorne los.
Es wurde schon arg hektisch; und auch wenn nochmal alles gut ging, muss gerade in so einer Phase mit wesentlich mehr Ordnung hinten gespielt werden.
Aber lassen wir das Genörgle, denn schließlich hätte ich vor dem Spiel ein 2-3 in Bremen sofort mitgenommen. Und zu den Ergebnissen kommt nun auch eine Spielfreude, die mit einer fast unerschütterlichen Ordnung gepaart ist; vom letztjährigen Chaos ist nichts mehr übrig und jeder Spieler scheint fast immer zu wissen, was er wann zu tun hat. Bei einem Blick auf die munter weiter punktende Konkurrenz aus Leverkusen scheint dies auch notwendig zu sein.
Auch im Hinblick auf ein noch zu rupfendes Huhn aus der Hinrunde darf es mit dem momentanen Spiel des FCB gerne so weiter gehen – von den Schwachstellen natürlich einmal abgesehen. Denn so eine Spannung wie am Samstag ist zwar bei einem Sieg am Ende sehr schön und macht das Ganze nur noch schöner, aber wehe, es geht in die Hose...
…dann können die Nerven schnell mal wieder blank liegen.
elmarinho - 25. Jan, 22:11
Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde in Hoffenheim die Zukunft verkündet: Wie man mit wenig Geld, ganz viel Sachverstand, sehr viel Herzblut und jahrelanger Tradition aus dem Nichts heraus den absoluten Traumfußball etablieren kann, der sich bald ganz fest in Europa etablieren wird.
Ein Jahr später.
Eine Handvoll Holzhacker mit einem etwas geltungssüchtigen Trainer, der es einfach nicht verkraften kann, schon wieder nicht in München gewonnen zu haben. Nun gut, das ist in Bezug auf die Spieler vielleicht ein wenig übertrieben, denn ein wenig Fußball wird zwischendurch schon gespielt, aber ich kann einfach nicht umhin festzustellen, dass es von Hoffenheimer Seite schon sehr grob am Freitag zuging. Herr Kinhöfer trug durch fast schon massenhafte letzte Ermahnungen allerdings auch deutlich dazu bei, dass sich die Sinsheimer nach Herzenslust austoben durften.
Ich habe zwar nichts gegen ein körperbetontes Spiel, aber wie oft man da Gnade vor Recht ergehen ließ, war schon ärgerlich.
Dass es einem letztlich egal sein konnte, lag vor allem an der souveränen Vorstellung des FCB in der zweiten Halbzeit; und danach sah es im ersten Abschnitt nicht zwingend aus. Gerade zu Beginn des Spiels häuften sich gefährliche Fehlpässe bedenklich, aber passiert ist am Ende ja Gott sei Dank nix. Das muss allerdings nicht immer so sein, weswegen vor allem Demichelis und van Bommel sich in Zukunft etwas mehr am Riemen reißen sollten.
Ansonsten war es ein erfreulicher Abend in der Allianz-Arena, der, wenn überhaupt, nur ein wenig durch die eher dürfte Chancenauswertung getrübt wurde. Gomez hatte da einen besonders schlechten Tag erwischt, aber umso mehr hat es mich für Mirsolav Klose gefreut, denn er hat schon ein paar harte Zeiten hinter sich und muss nun erst einmal hinten anstehen. Schön, wenn gerade ihm das entscheidende Tor gelingt.
Noch viel wichtiger war allerdings dieses wieder aufkommende Gefühl, dass dieses Spiel trotz der äußerst knappen Führung eigentlich nicht mehr verloren hätte werden können. Auch hier ist wieder eine fast schon beruhigende Entwicklung zu verzeichnen, die von mir aus gerne so weitergehen kann.
Besondere Erwähnung verdient in jedem Fall Arjen Robben. Nachdem er in der ersten Halbzeit noch einige Bälle etwas sinnlos vertändelt hatte, zeigte er vor allem in der zweiten Hälfte, warum wir ihn so dringend brauchen. Wann immer er an den Ball kam, war mächtig Alarm, denn auch ohne Ball hatten die meisten Gegenspieler deutliche Schwierigkeiten, ihm hinterherzulaufen. Dass er sich nach dem Spiel ein wenig über die lasche Art des Schiris beklagte, war zwar irgendwie verständlich, aber andererseits hatten wir diese Diskussion für nicht allzu langer Zeit in Bezug auf Ribéry schon mal. Weniger wurden die Fouls trotzdem nicht. Ich denke, er sollte sich damit wohl oder übel einfach abfinden, auch wenn es für ihn buchstäblich schmerzhaft ist. Vor allem sollte er sich nicht zu irgendwelchen Schwachsinns-Aktionen hinreißen lassen, die ihn dann für ein paar Spiele außer Gefecht setzen könnten.
Auf jeden Fall macht das Spiel vom Freitag Lust auf mehr. Bremen ist da natürlich ein interessanter Gegner, der momentan dringend ein Erfolgserlebnis benötigt. Wie schnelllebig das Geschäft doch sein kann. Auch hier ist es nicht allzu lange her, da war Bremen quasi schon auf dem Weg zur Meisterschaft (nach einem 6-0 in Freiburg). Zwei Unentschieden und drei Niederlagen später ist sogar die Europa League in etwas weitere Ferne gerückt und von der Meisterschaft ist erst mal nix mehr zu hören.
Interessanterweise haben solche Teams dann jedoch mit einem Sieg gegen den FCB immer die Gelegenheit, das alles vergessen zu machen. Gerecht? Nicht unbedingt, aber das scheint wohl unser Schicksal zu sein: Wir sind der ideale Aufbaugegner. Geht die Niederlagenserie weiter, ist es nicht weiter schlimm, denn gegen den FCB kann man ja immer verlieren. Falls jedoch ein Unentschieden, gar ein Sieg herausspringt, ist die möglicherweise weiterhin klägliche Situation egal, den schließlich…
Naja, egal. Spannend bleibt es trotzdem, denn schließlich kommt wieder einer zurück, auf den wir schon länger verzichten mussten: Franck Ribéry. Verletzungen hin, Wechselgerüchte her, ich freu mich jetzt einfach nur darauf, ihn wieder für uns auf dem Platz zu sehen und nicht zu wissen, was er als nächstes mit dem Ball anstellen wird.
Und vielleicht wird ja am Samstag nicht ganz so viel Holz gehackt.
elmarinho - 20. Jan, 00:47
Die Bundesliga hat uns wieder. Vorbei die Zeit der Wasserstandsmeldungen aus Dubai, keine stündlichen Zehen-Updates von Franck – es geht wieder los. Morgen startet die Rückrunde mit einem interessanten Spielchen gegen Hoffenheim. Dazu später mehr.
Es war ruhig, vom üblichen Ribéry-Spektakel abgesehen. Gerade da würde es vielen Schreiberlingen einfach mal gut tun, dem Spieler selbst mal zuzuhören: In zwei bis zweineinhalb Monaten wird es eine Entscheidung geben. Punkt. Aus. Alles andere ist mittlerweile langweilig und verbraucht nur Zeit. Dass der Berater etwas eigenmächtig seine eigenen Wahrheiten verkündet, passt da gut ins Bild.
Es gibt momentan auch Wichtigeres: Wie geht’s weiter mit diesem FCB, der uns am Ende der Rückrunde wirklich begeistert hat?
Solche Blicke in die vielzitiert Glaskugel sind natürlich auch nicht immer leicht und gerade bei Fans gerne mal ein wenig verzerrt, aber es gibt schon Anzeichen, dass sich dieser Trend der letzten Spiele weiter fortsetzen könnte. Man könnte jetzt auch diverse Statistiken bemühen, die in den Spielen gegen Juve, Bochum oder Hertha sicher Spitzenwerte für den FCB zu Tage fördern würden, aber viel wichtiger ist mir in diesem Fall mein Bauchgefühl. Und das sagt mir, dass wir wieder auf dem Weg zu einer Mannschaft sind, bei der man sich einfach „weniger Sorgen machen“ muss als in den letzten Jahren.
Was heißt das?
Gerne wird die Saison zum jetzigen Zeitpunkt mit der vorigen Halbserie verglichen: in der Liga vorn dabei, CL-Achtelfinale, Pokal-Viertelfinale, deutlicher Aufwärtstrend am Ende der Vorrunde. Rein auf dem Papier gleichen sich die Bilder sehr. Im letzten Jahr hing allerdings bei fast allen Spielen des FCB diese latente Angst in der Luft, dass dieses Kartenhaus jeden Moment zusammenbrechen könnte und die Führung beispielsweise verspielt werden könnte. Sowas gab es in dieser Saison selten; da waren die Sorgen zwischendurch andere: Schießen wir heute mal mehr als ein Tor? Machen wir diesmal aus dem vielen Ballbesitz endlich mal Zählbares?
Während das Spiel der letzten Saison über weite Strecken eine absolute Wundertüte war, ist es nun für mich als Fan wieder berechenbarer geworden. Berechenbar heißt in diesem Zusammenhang allerdings nicht langweilig. Es stellte sich jedoch zunehmend wieder in vielen Situationen das Gefühl ein, dass man ein Spiel gar nicht mehr verlieren kann.
Das sind natürlich große Worte, die ich mir bei einer Niederlage morgen selbst um die Ohren hauen kann. Und vielleicht ist hier auch ein wenig der Wunsch Vater des Gedankens, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich bei den letzten großartigen Spielen eben nicht um Stückwerk handelte, sondern um den Beginn eines großen Ganzen – und genau das war es doch, was uns in den letzten Jahren gefehlt hat. Es wird wieder zielgerichteter gearbeitet und mit einer scheinbar sehr genauen Vorstellung von der Art und Weise, wie der FCB Fußball zu spielen hat.
Und genau so, wie ich gerne auf den Gegensatz (bei allen oberflächlichen Parallelen) zur letzten Saison verweise, fallen mir auch Ähnlichkeiten zu unseren Helden von Mailand auf. Ganz oberflächlich waren wir auf den meisten Einzelpositionen zwar überdurchschnittlich, aber sicher nicht spitzenmäßig besetzt; dafür hatte das Team jedoch Esprit und einen Mannschaftsgeist, der Berge versetzen konnte und sich weder durch starke Gegner oder widrige Umstände aufhalten ließ. Auch wenn es für die jetzige Truppe sicher noch ein weiter Weg bis in die europäische Spitze ist, habe ich das gute Gefühl, dass genau dieser eminent wichtige Zusammenhalt wieder aufgekeimt ist. Da steht wieder eine Mannschaft auf dem Platz; zwar gespickt mit hervorragenden Einzelkönnern, aber nichtsdestotrotz eine Mannschaft.
Bei allem Streben nach Ruhm und Ehre in Europa darf natürlich der nationale Wettbewerb nicht vergessen werden. Und hier kann es fürs Erste nur ein Ziel geben: Tabellenführung. Denn dann sind erst mal die anderen unter Zugzwang, wenn sie dranbleiben möchten, was für den FCB immer die bessere Variante ist. Beim Blick auf die ersten paar Spiele, bin ich froh, dass es gleich ohne großes Geplänkel mit schwierigen Gegnern losgeht: Hoppenheim, Bremen auswärts, Mainz (da war doch was), Wolfsburg auswärts. Da kann zwar viel schiefgehen, aber auch eine gute Möglichkeit, um ein deutliches Signal zu setzen.
Bei allen Unwägbarkeiten freue ich mich aber einfach nur auf morgen. Vor allem wegen meines Bauchgefühls.
elmarinho - 14. Jan, 11:24
3. Akt: Mannschaftssuche
Nach dem Wolfsburg-Spiel und dem Robben-Transfer schien also das Feld bestellt, wie man so schön sagt. Die nächsten beiden Spiele, vor allem der überzeugende Sieg in Dortmund, ließen auch darauf schließen, dass es eine schöne Vorrunde werden könnte. Dann kam jedoch die sehr ärgerliche Auswärtsniederlage in Hamburg, die einen gewissen Bruch markierte, denn danach begann eine Phase, in der sich der FCB vor allem dadurch auszeichnete, dass die Spiele meist ganz offensichtlich dominiert, aber immer seltener gewonnen wurden.
Ein gerne vorgebrachter Kritikpunkt am Trainer war die Tatsache, dass selten die exakt gleiche Mannschaft wie im vorigen Spiel von Beginn an ran durfte. Dies hatte sicher auch etwas mit Ausprobieren und Kennenlernen zu tun, aber man darf bei dieser ganzen Diskussion auch nicht vergessen, dass auch die Verletztenliste in der Vorrunde eine mit sehr viel Fluktuation war. Und damit verbunden waren logischerweise auch systemmäßige Umstellungen, denn schließlich war das angestrebten (und auch wie gegen Juve oder Dortmund) schon gut funktionierende 4-3-3 mit den Verletzungen von Ribéry und Robben erst mal nicht mehr zu machen.
Als Konsequenz daraus war das Spiel des FCB oftmals wie ein schwer zu lösendes Rätsel – allerdings für uns Fans, denn schließlich konnte man ganz deutlich erkennen, dass (beispielsweise im Vergleich zum Vorjahr) viel mehr Struktur drin war, aber oft Tore oder sogar Chancen fehlten. Aus dieser Situation entwickelte sich ein kleiner Teufelskreis: schlechte Ergebnisse -> Unzufriedenheit -> schlechte Stimmung/Unsicherheit -> schlechte Ergebnisse.
Und dann kam Philipp Lahm und versuchte, den Narr zu geben, indem er mal frei von der Leber weg vor einem nicht ganz unwichtigen Spiel ein Interview gab, in dem er in fast schon klinsmannscher Attitüde so ziemlich alles in Frage stellte, was der Verein in den letzten Jahren so gemacht hat. Angestachelt von einem scheinbar etwas profilierungssüchtigen Berater platzte da eine Bombe, deren Ticken schon länger zu vernehmen war, da die Häufigkeit längerer Interviews in diversen Zeitschriften beständig zunahm. Irgendwie war es nur eine Frage der Zeit, bis mal sowas kam. Das Timing war natürlich gigantisch, und wie auf Kommando leitete Luca Toni mit seiner Halbzeitflucht auch noch gleich seinen Abschied ein.
Mit anderen Worten: Das Chaos war perfekt.
4. Akt: Ergebnissuche
Gerade als alles den Bach runter zu gehen schien – in der Zwischenzeit war das CL-Achtelfinale in weite Ferne gerückt – riss sich die Mannschaft dann doch noch am Riemen. Es war zwar immer noch nicht schön, aber immerhin stimmten die Ergebnisse: Siege gegen Haifa, Hannover und Gladbach konnten einen schon fast leicht optimistisch für das entscheidende Gruppenspiel in Turin werden lassen. Was dann kam, war eine echte Katharsis. Man konnte mit vielem rechnen, aber nicht mit einem 1-4-Auswärtssieg in Turin, vor allem nach Rückstand. Vielleicht lehne ich mich etwas zu weit aus dem Fenster, aber es war wohl das beste Spiel, das ich von unserer Mannschaft in den letzten Jahren gesehen habe.
Und auch die nächsten Spiele zeigten, dass da etwas entstanden war beim FCB; etwas, das wir manchmal schon vermisst glaubten: eine Mannschaft, in der sich jeder wieder für den anderen einsetzt und Fehler ausbügelt. Verkörpert wurde genau das durch einen Spieler, den viele bei seiner Verpflichtung schon permanent auf der Bank sitzen sahen. Mittlerweile ist er ein so wichtiger Bestandteil der Mannschaft, dass eine Verletzung eine wahr Hiobs-Botschaft wäre: Ivica Olic, der legitime Nachfolger von Brazzo Salihamidzic, über den Stefan Effenberg mal sagte, dass er wohl mit dem Finger in der Steckdose schlafe.
Unterm Strich konnte eine Vorrunde, die zwischendurch mal leicht katastrophal zu werden drohte, doch noch in eine Richtung geschoben werden, die sich als gute Ausgansposition bezeichnen lässt: zwei Punkte hinter dem Tabellenführer in der Liga, in Pokal und CL jeweils im Viertel- bzw. Achtelfinale mit durchaus lösbaren Aufgaben. Viel wichtiger ist aber die Erkenntnis, dass es mit der Entwicklung vorangeht und der Mannschaftsgedanke wieder im Vordergrund steht.
Und das ist extrem beruhigend.
5. Akt: Titelsuche
Gerade beim FCB reduziert sich das meiste doch auf Titel. Da interessiert einen der gespielte Fußball am Ende nur noch selten. Von daher ist es auf jeden Fall ein zentraler Aspekt, wenn es um ein Happy End geht. Auch wenn nach den letzten Galaauftritten schon wieder teilweise die Frage aufkam, „wer denn die noch aufhalten soll“, wird die Meisterschaft wohl eine enge Kiste, denn mit Leverkusen, Schalke und dem HSV ist die Konkurrenz nicht nur knackig, sondern vor allem auch zahlreich. Andererseits darf man bei dieser Gelegenheit auch ruhig mal anmerken, dass sich trotz der vielen Aussetzer der Top-Teams keine Mannschaft absetzen konnte. Konstanz scheint also mal wieder der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Und daran kommt auch der FCB nicht vorbei.
Im Pokal schaut es bisher ganz gut aus, da sich die ligainterne Konkurrenz zum Großteil schon verabschiedet hat und mit den Fürthern auch kein Hammerlos wartet. Den Rest zeigt dann wie immer die Auslosung.
Bleibt noch die Champions League, die natürlich immer der große Traum sein wird. In den letzten Jahren hat sich da bei uns eine gewisse Akzeptanz eingestellt: Man akzeptiert, dass es da eine Handvoll bessere Mannschaften gibt, gegen die man keinen Stich machen wird. Und genau das muss sich ändern. Es muss wieder ein „jetzt erst recht“-Denken einsetzen. Das klingt zwar etwas nach kindlichem Trotz, aber objektiv bleibt einem auch momentan nicht viel mehr übrig. Und trotzdem. Es muss hier wieder das Gefühl entstehen, dass man ab dem Viertelfinale nicht bloß froh ist, noch dabei zu sein, sondern dass man sich auch noch weiter durchbeißen kann.
Die CL wird weiterhin ein Pokal bleiben, der sehr weit weg erscheint, auf dessen Suche man sich aber trotzdem beherzt machen sollte.
Epilog: Winterpause
Die Winterpause kam dem FCB ungelegen, ohne Frage, denn der Trend zeigte steil nach oben und ein paar Spiele hätten der Mannschaft vielleicht sogar gut getan. Andererseits ist die Pause ohnehin so kurz, dass sie schon wieder so gut wie vorbei ist und es nächsten Freitag weiter geht.
Der FCB bereitet sich also mal wieder in Dubai vor. Nur gut, dass keiner vom „besten Trainingslager aller Zeiten“ spricht, sondern bis auf das übliche Theater um Franck Ribéry und vor allem seinen Berater nicht viel los ist. Es ist schon erstaunlich, wie viel Eigenleben so jemand entwickeln kann. Da wird einfach mal verkündet, dass eine Vertragsverlängerung prinzipiell mal ausfällt und der Klient in jedem Fall im Sommer wechselt – scheinbar jedoch, ohne dass man Monsieur Ribéry selbst mal fragt; denn der kann sich ein weiteres Verweilen beim FCB durchaus vorstellen.
Dass er momentan schon wieder verletzt ist und nicht mit der Mannschaft trainieren kann, interessiert ohnehin keinen, oder? Grotesk.
Und dann fand jetzt ja das große Ausmisten statt. Endlich, möchte ich hinzufügen. Der Kader wird also wieder übersichtlicher und sollte jetzt trotzdem noch genug Substanz haben, um eventuelle Ausfälle zu kompensieren. Dass Ottl und Breno den Club aus Nürnberg verstärken, ärgert mich persönlich zwar ein wenig, da so der Abstieg wieder unwahrscheinlicher wird, aber andererseits haben die beiden Jungs da definitiv viel zu tun. Der Verkauf von Baumjohann verursachte bei mir dagegen durchaus Stirnrunzeln; zuallererst mal, da man den doch genauso gut erst mal verleihen hätte können. Und dann vor allem noch, dass man einen direkten Konkurrenten stärkt (der umgekehrte Fall war ja angeblich immer unserer Spezialität). Ich werde das Gefühl nicht los, dass dieser Transfer Teil eines größeren Deals ist, an dessen Ende Rafinha und/oder Neuer bei uns landen.
Gegen den Brasilianer wäre noch nicht so viel zu sagen; im Gegenteil, ich bin der Meinung, er würde ganz gut zu uns passen. Aber Neuer? Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass er es bei vielen Fans schwer haben wird. Zwar wird das Ganze auch nicht so arg werden, wenn er tatsächlich unser Trikot tragen sollte, denn Fußballfans können sehr vergesslich sein, aber warum unterschätzen sollte man solche Animositäten auf keinen Fall.
Das sollte man aus der letzten Saison gelernt haben.
elmarinho - 7. Jan, 13:05
Fußball ist Theater. Und deshalb habe ich mich dazu entschieden, den fast schon obligatorischen (Halb-) Jahresrückblick entsprechend zu unterteilen.
Prolog
Es ist natürlich klar, dass das halbe Fußballjahr 09/10 so ganz ohne Kontext nicht dastehen kann, denn einige Lehren, die der FCB für die aktuelle Saison gezogen hat, haben ihre Wurzeln ganz klar in der vorigen.
Jürgen Klinsmanns Bilanz zur letzten Winterpause las sich eigentlich ganz gut. Im Pokal noch dabei, in der Champions League souverän im Achtelfinale und punktgleich mit Herbstmeister Hoffenheim auf Platz zwei. Gegen Ende der Hinrunde stimmten die Ergebnisse immer mehr und der gezeigt Fußball war zeitweise sogar auch ganz ansehnlich. Im Prinzip also alles in Butter, hätte man meinen können. Doch die latente Abneigung, die von vielen Bayern-Fans automatisch versprüht wurde, ließ sich auch durch die scheinbar gute Bilanz nicht eindämmen. Ich erinnere mich noch an viele teilweise hitzige Debatten, die ich mit diversen Leuten hatte, in denen es immer wieder um den Trainer ging. Gerade Anfang 2009 sah ich mich in meiner Haltung, dass wir mit Klinsmann ja doch einen guten Trainer hätte, bestätigt sah. Da wurde der VfB in Stuttgart mal schnell mit 1-5 im eigenen Stadion auseinander genommen.
Dass dieser Sieg einer der ganz wenigen Höhepunkte der Rückrunde sein sollte, wusste damals noch niemand. Was dann kam, war einerseits ziemlich katastrophal, aber andererseits vielleicht auch ein wenig heilsam. Nach einem mehr als holprigen Start in der Bundesliga ging dafür in der Champions League gegen Lissabon ziemlich die Post ab: zwölf Tore in zwei Spielen. Der FCB blieb aber trotzdem ein Rätsel, denn es gab auch fiese Niederlagen in Berlin und daheim gegen Köln.
Was in Klinsmanns kurzer Regentschaft alles zu Bruch gegangen war, wurde dann in zwei Spielen mehr als evident, die Bayern-Fans heute noch das pure Grausen lehren: Wolfsburg und Barcelona. Es waren nicht so sehr die kassierten Tore, die das Ausmaß des Chaos darstellten, sondern vielmehr die Art und Weise, wie diese furchtbaren Ergebnisse zu Stande kamen. Spätestens hier wurde jedem klar, dass es so nicht weitergehen kann. Klinsmann-Gegner sahen sich nun vollends bestätigt; Klinsmann-Befürworter mussten erkennen, dass hinter vielen Phrasen und vermeintlich innovativen Ansätzen in erster Linie nur heiße Luft und wenig Sachverstand steckte (dazu später mehr im Epilog). Die Reißleine wurde gezogen und Heynckes durfte mit fünf Siegen in fünf Spielen kurz mal zeigen, wie es auch gehen kann. Die Erleichterung war nach Klinsmanns Entlassung allen anzumerken; allein das dürfte schon genug Energien freigesetzt haben, so dass am Ende der Saison eine Vizemeisterschaft stand, über die man angesichts des Saisonverlaufs froh sein konnte.
1. Akt: Trainersuche
Ein Sprichwort besagt, dass es selten einen Schaden gäbe, bei nicht auch ein gewisser Nutzen entstünde. Und in diesem Licht muss man auch die vorige Saison sehen, denn so konnte man sich der Erkenntnis ganz sicher sein, dass Dampfplauderer bei einem Verein wie dem FCB nix verloren haben. Wer sollte es also nun richten? Einer, der Erfahrung hat und ein absoluter Kenner seines Fachs; ein Fußballlehrer soll es sein, der auch ruhig ein wenig old-school sein darf, wenn er möchte. Der Kreis der Kandidaten war groß, es wurde lange und viel spekuliert, bis am Ende ein Holländer übrig blieb, dessen Name vielleicht nicht allen bekannt war, sich aber bei etwas Recherche ganz gut las: Louis van Gaal.
Nachdem diese Personalie nun klar war, ging es vielen natürlich darum herauszufinden, was dieser neue Trainer nun für ein Typ sei, ob er überhaupt zum Verein passe. Da war dann von einem etwas kauzigen Typen die Rede, der zwar gut mit jungen Spielern könne, aber dafür ein Problem mit divenhaften Stars habe. Fachlich zwar ein absoluter Checker, aber menschlich problematisch.
Seine Antrittsrede („warmer Mantel“, „Mia san mia.“) klang zumindest in meinen Ohren vielversprechend, aber es vielen auch wieder Worte wie „Prozess“, die gerade von seinem Vorgänger derart inflationär gebraucht worden waren, dass viele Leute schon wieder ein ungutes Gefühl hatten. Und zwischen durch schienen sie sogar recht behalten.
2. Akt: Spielersuche
In der ersten Hälfte des Kalenderjahres 2009 wurde offensichtlich, dass der FCB ein massives Defensivproblem hat. Erstaunlicherweise wurde für die Abwehr bis auf die Rückholung von Andreas Görlitz, der jetzt auch schon wieder auf dem Sprung ist, nichts getan; einzige Ausnahme: Anatoliy Tymoshchuk, der das defensive Mittelfeld wasserdicht machen und die Abwehr entlasten sollte. Ein Einkauf nach bewährtem Muster, denn schließlich war der FCB vor nicht allzu langer Zeit von Tymo und Zenit böse an die Wand geklatscht worden.
Alexander Baumjohann und Ivica Olic galten als typische Ergänzungskäufe; zumindest bei letzterem sollte man sich noch massiv täuschen. Die erste richtig große Nummer wurde dann kurz nach Saisonende fix gemacht, was allerdings nach den hartnäckigen Gerüchten und immer wieder schon so gut wie bestätigten Transfers aber auch keine große Überraschung mehr war: Mario Gomez wechselt nach München. Auf den ersten Blick ein einwandfreier und völlig logischer Transfer, wenn da nicht diese blöde Transfersumme gewesen wäre. 30 oder mehr Millionen klingen für einen innerdeutschen Transfer erst mal ziemlich happig, und das sollte auch am Spieler selbst nicht spurlos vorüber gehen.
Die ersten echten van-Gaal-Verpflichtungen, wenn man so will, waren zwei Spieler, mit denen nun wirklich niemand gerechnet hätte: Edson Braafheid und Danijel Pranjic. Der eine war (ist?) niederländischer Nationalspieler, was schon mal ein gewisses Gütesiegel ist, und der andere kroatischer, an den sich manche sogar noch aufgrund der Gruppenphase bei der EM erinnern konnten. Irgendwie passten diese beiden Transfers aber so gar nicht ins Beuteschema des FCB. Umso größer waren dann die Hoffnungen, dass es mit solchen etwas spekulativen Transfers mal klappen könnte. Auch dazu später mehr.
Damit war die Kaderplanung eigentlich schon abgeschlossen, bis nach einer üblen Niederlage in Mainz auf einmal Arjen Robben hereinschneite. Endlich, möchte ich hinzufügen. Schön viel früher hätte ich ihn gerne bei uns gesehen. Und nachdem in Madrid der Kaufrausch ausgebrochen war, hatte Robben auf einmal keinen Platz mehr bei Real. Eigentlich unvorstellbar, aber gut für den FCB. An einem einzigen Spieler kann man es zwar nie fest machen, aber mit seiner Verpflichtung wurde ein ziemliches Ungleichgewicht im Mittelfeld behoben, das unser Spiel oft ein wenig berechenbar machte: den Ball einfach zu Ribéry und dann mal schauen, was er macht.
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Demnächst folgen:
3. Akt: Mannschaftssuche
4. Akt: Ergebnissuche
5. Akt: Titelsuche
elmarinho - 30. Dez, 14:20
Tut mir Leid, dieser vorweihnachtliche Kalauer musste einfach mal sein. Es war aber auch schon fast witzig, was die Hertha da anbot am Samstag. Aus Stuttgart hieß es oft, dass man zwar auf einem Abstiegsplatz stehe, aber eigentlich ja viel besser sei. Den Berlinern sah man in jeder Minute an, wieso sie mit deutlichem Abstand da unten stehen.
Oder war der FCB wieder so gut?
Nun ja, es wird wohl eine Mischung aus beidem gewesen sein, denn man kann gegen die Hertha auch schnell mal nicht so gut aussehen. In Leverkusen wissen sie das beispielsweise. Jedenfalls konnten der Freude am Spiel auch die frostigen Temperaturen und der immer dichter werdende Schnee nix anhaben. Außerdem gab’s von Uli auch noch Wurst und Glühwein (der aber in puncto Geschmack und Alkoholgehalt eher an Kinderpunsch erinnerte), so dass einem Fußballfest nun nix mehr im Weg stand.
Mit den letzten Spielen wuchs natürlich die Erwartungshaltung gleich wieder immens und jeder erwartete einen deutlichen Sieg vom FCB. Vor nicht allzu langer Zeit hätten wir uns gegen diverse Betonmischer noch einen abgebrochen, aber man merkt in diesen Tagen nun ganz deutlich, dass auch Verhinderer nicht mehr zum Erfolg kommen; und das ist doch beruhigend. Zum ohnehin schon immer im Überfluss vorhandenen Ballbesitz gesellen sich nun herausgespielte Torchancen, die meist sogar verwertet werden.
Da braucht es schon schlafende Innenverteidiger in der eigenen Mannschaft, die für Torgefahr sorgen – also vor dem eigenen jetzt. Mit einem Demichelis (= völlig grundloser Blackout, der mindestens zu einer unvorhergesehenen Torchance für den Gegner wird) pro Spiel haben wir uns ja fast schon abgefunden. Wenn die Tore so zahlreich fallen wie in letzter Zeit, ist dies etwas, über das man kurz schmunzeln kann. Aber auch Micho sollte einsehen, dass es wohl nicht immer so glimpflich ausgeht wie am Samstag. Gegen Turin sah ich uns dank seiner schon in der Europa-League.
Vor diesem Hintergrund sollte man vielleicht die Breno-Ausleihe überdenken, denn sonst werden die Alternativen in der Abwehr schon wieder arg dünn. Nur mal so als kleiner Einwurf am Rande.
Überhaupt, diese Ruhe. Da regen einen selbst Interviews vergessener Ex-Trainer kaum mehr auf. Da hat man dann sogar die Souveränität, das Ganze milde zu belächeln und das Kopfschütteln anderen zu überlassen. Nur soviel: Laut eigener Aussage war besagter Ex-Trainer sehr damit beschäftigt, an alten Besitzständen zu rütteln und diese einzureißen anstatt die Mannschaft weiterzuentwickeln. Und ich dachte immer, er wäre Fußballtrainer.
Und im Zeichen schon fast überbordender Weihnachtsfreude muss ich an dieser Stelle nochmal sagen, für wen ich mich besonders in den letzten Wochen und teilweise auch schon Monaten gefreut habe:
- Holger Badstuber: Ist jung, kommt in die Mannschaft, spielt erst in der Mitte, dann auf links. Ergebnis? Einfach nur gut. Als hätte er nie was anderes gemacht.
- Thomas Müller: Ist jung, kommt in die Mannschaft, spielt mal hier, mal da. Ergebnis? Schießt Tore, mal hier, mal da. Wird sogar mal von Jogi angeflirtet, lässt sich davon aber nur bedingt aus der Ruhe bringen. Unglaublich.
- Mario Gomez: Ist jung, kommt aus Stuttgart, hat viel Geld gekostet. Ergebnis? Schießt Tore, sitzt dann auf der Bank, reißt sich zusammen, schießt wieder Tore, spielt jetzt besser mit als vorher. Sehr schön.
- Ivica Olic: Kommt aus Hamburg, hat nix gekostet, von Anfang an abgeschrieben. Ergebnis? War DER belebende Faktor im Spiel, riss die gesamte Mannschaft im Alleingang gefühlte fünf Gänge nach vorne und schießt auch noch Tore. Wir lieben ihn einfach.
- Bastian Schweinsteiger: Schon lange beim Verein, oft (teilweise zurecht) der Prügelknabe schlechthin, der auch herhalten musste, wenn alle anderen grottig waren, trotz massiver Kritik von außerhalb immer in der Mannschaft. Ergebnis? Mittlerweile die personifizierte Stabilität im Mittelfeld und offensichtlich nun auf der richtigen Position eingesetzt. Endlich.
- Louis van Gaal: Kommt aus Holland, redete von „Mia san mia“ und warmen Mänteln, nicht der größte Fan der Journalisten, musste sich an vieles gewöhnen und viele auch an ihn. Ergebnis? Hatte möglicherweise etwas Glück, dass die Räder zum richtigen Zeitpunkt ineinander griffen; hat nun aber die nötige Ruhe, um weiter an der Mannschaft zu feilen. Und immer mehr Leute mögen ihn auf einmal.
So, das soll’s erst mal gewesen sein. Einen ausführlichen (Halb-) Jahresrückblick wird’s demnächst geben, wenn ich mir dieses turbulente Jahr nochmal zu Gemüte geführt habe.
Ich wünsche Euch frohe Weihnachten und ein paar geruhsame Tage, bevor es dann wieder mit Trainingslagern und -spielen weitergeht. Ich freu mich schon.
elmarinho - 21. Dez, 23:50
Draußen ist es kalt, der Schnee fällt und eine fast schon feierliche Glückseligkeit hält Einzug. Pünktlich zum Fest ist nun auch beim FCB der Friede eingekehrt; in Form von zwei wunderbar anzusehenden Siegen. Gekrönt wurde das Ganze noch durch einen äußerst unterhaltsamen
Auftritt unseres Trainers im Aktuellen Sportstudio am Samstag.
Und dabei musste ich so ein wenig an seinen Anfang im Sommer zurückdenken. Wenn man sich so anschaut, was in der Zwischenzeit alles passiert ist, dann kommt einem das schon fast wie eine ganz andere Zeit vor. „Mia san mia […] passt mir wie ein warmer Mantel.“ Rechtzeitig zur kalten Jahreszeit ist dieser Mantel nun da, und als Bayernfan möchte man ihn gar nicht mehr ausziehen. Der Glückseligkeit nach dem Sieg in Turin hätte natürlich genauso gut eine Bruchlandung in Bochum folgen können.
Aber nichts da.
Die Mannschaft machte letztendlich genau da weiter, wo sie in Turin aufgehört hatte. Gegner kontrollieren, schwungvoll nach vorne spielen und dabei auch noch Tore schießen. Wie viele Kleinigkeiten einen riesigen Unterschied machen können, ist gerade am FCB zu beobachten. Noch vor drei Wochen hätte Pranjic den Ball wahrscheinlich auf die Castroper Straße getreten und nicht unter die Latte.
Auch wenn Fußball natürlich ein Mannschaftssport ist, so kann dieser fulminante Aufschwung schon fast an einer Person festgemacht werden: Ivica Olic. Was der momentan auf den Platz zaubert hat von seiner Impulsivität und der Brachialgewalt her schon fast was von Ribéry zu seinen besten Zeiten. Nicht dass wir den kleinen Gallier nicht auch noch brauchen könnten.
Und das sind eben Aspekte, die den Blick in die Zukunft noch rosarot verklärter gedeihen lassen können: Ribéry ist noch gar nicht dabei, Robben noch nicht voll. Dass es trotz dieser namhaften Ausfälle so gut läuft, ist vielleicht die größte Leistung des Trainers und der Mannschaft. Die Klagen über die Abhängigkeit von Ribéry waren immer groß. Mittlerweile – man traut es sich fast kaum zu sagen – fällt seine Absenz nicht besonders auf; zu sehr lebt diese Mannschaft momentan von ihrer Einheit.
Das soll natürlich nicht heißen, dass für Rib und Rob kein Platz mehr ist; im Gegenteil. Allein diese Aussicht weckt schon wieder die Vorfreude auf weitere Spiele. Ich mag zwar jetzt nicht zu sehr abheben, aber ich habe momentan einfach nur ein gutes Gefühl, was den FCB und seine Entwicklung betrifft. Wirtschaftlich passt es sowieso, und nun gesellt sich auch der sportliche Erfolg wieder hinzu. Der angenehme Nebeneffekt dieser wunderbaren Entwicklung ist eine angenehm entspannte Souveränität, vor deren Ruhe Speränzchen im Stile eines Luca Toni nur noch müde belächelt werden.
Was die Winterpause betrifft, so bin ich irgendwie zwiegespalten. Einerseits wäre es natürlich schön, wenn wir mit dem momentanen Schwung noch ein paar Spiele bestreiten könnten, aber andererseits tut eine geschlossene, konzentrierte Vorbereitung der Mannschaft sicher auch gut, solange keiner wieder vom „besten Trainingslager aller Zeiten“ spricht.
Es gilt also nun, diesen angenehm warmen Mantel anzubehalten und am besten nicht mehr abzulegen, auch wenn’s im Frühjahr wieder wärmer wird.
elmarinho - 15. Dez, 01:04