Dienstag, 17. November 2009

Die eierlegende Wollmilchsau

Länderspielpause – Zeit zum Nachdenken. Und da gibt es ja so einiges, was beim FCB in diesen Tagen für Gesprächsstoff sorgt. Allgegenwärtig ist immer noch Lahms Interview in der SZ, was von Hoeneß in der Zeit gekontert wurde. Jetzt stehen also (glaubt man Hoeneß, dass Lahm zu 90% Unrecht hat) zwei Meinungen im Raum.

Für mich heißt das ganz konkret: Wem kann ich glauben?

Es werden jedenfalls von beiden Seiten interessante Dinge ans Tageslicht gebracht:

Hoeneß: „Heute Morgen frage ich Grill am Telefon: Wieso erklärst du in der Öffentlichkeit, dass Philipp Lahm schon zwei-, dreimal beim Vorstand war? Du weißt genau, dass das nicht so ist. Und er antwortet mir: Wie soll er sich sonst profilieren? Das war die Antwort.“

Nach dieser Aussage war ich erst mal ein wenig platt, denn mit so viel Dreistigkeit hätte ich schließlich nicht gerechnet. Ich will jetzt nicht schon wieder auf Lahm draufhauen, aber dass er sich für sowas instrumentalisieren lässt, hätte ich nicht von ihm gedacht. Und so wirft dies schon wieder ein ganz anderes Licht auf sein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis in letzter Zeit. Umso schlimmer wird es, wenn er Mitspieler öffentlich als etwas unfähig bezeichnet:

Lahm: „Nur: Wen soll man denn anspielen? Wo ist jemand, der mal was bewegt, der den Ball zur Seite mitnimmt, nach vorne schaut und irgendwie den Ball durchsteckt, dass man nachrücken kann? Das passiert bei uns kaum.“

Und mit dem sog. „Nachrücken“ spricht er einen Knackpunkt an, bei dem er mal gerne vor der eigenen Haustüre zu kehren anfangen darf. Genau das war nämlich früher seine Stärke. Und mit „früher“ meine ich Zeiten, in denen er noch weniger Interviews gab und vor allem auf links spielte. Nachrücken tut der liebe Philipp zwar nach wie vor, aber wenn das auf rechts geschieht, dann kommt halt selten was dabei raus: Die Flanken sind so gut wie nie gefährlich, in die Mitte ziehen funktioniert auch nicht mehr, und weiter zur Grundlinie rennen geht auch nicht (s. Flanken). Und das ist eine der Sachen, die mich an Lahm Interview gestört haben: mangelnde Selbstkritik. Denn wenn man dazu nicht fähig ist, braucht man sich auch nicht zum Chef-Kritiker der eigenen Mitspieler und des Vereins zu machen.

Lahm: „Aber wir machen jetzt zum Beispiel nach jedem Spiel eine Analyse: Was haben wir gut gemacht, was nicht? Manche Spieler kommen damit nicht zurecht, dass sie vor der ganzen Mannschaft kritisiert werden: Warum spielst du diesen Pass? Warum hast du jene Entscheidung getroffen? Dabei finde ich das gut und ganz normal.“

Ich habe das ja schon kürzlich angesprochen, aber mir ist das nach wie vor unbegreiflich, wie ein Spieler mit solcher Kritik (auch vor der gesamten Mannschaft) nicht zurecht kommen kann. Man muss zwar nicht dauernd die Peitsche über dem Trainingsgelände kreisen lassen, aber sowas kann doch nur normal sein. Wie soll sich denn sonst was ändern? Genau dieses Vor-sich-hin-Wurschteln ist es doch, was am gefährlichsten ist. Und da setzt sich bei mir nun immer mehr die Erkenntnis fest, dass die Mannschaft momentan bis auf ein paar Ausnahmen keine solche mehr ist, weil viele wohl persönliche Eitelkeiten voran stellen. Wie sonst kann man sich Aussetzer wie die von Luca Toni erklären? Warum gibt Lahm so ein Interview?

Wenn man sich Hoeneß‘ Interview nochmal durchliest, dann hört er sich für mich an wie jemand, der sich extrem ungerecht behandelt fühlt und sein Erbe ein wenig in Gefahr sieht. Das erklärt auch, warum manche seiner Antworten gar so arg polemisch sind: Barcelona? Viele Schulden. Arsenal? Schon länger nix mehr gewonnen. ManU? An Glazer verkauft und Schulden. Dass es bei den Fragen erst mal nicht um Wirtschaftlichkeit ging, ignoriert er bewusst, weil er genau darin die Ungerechtigkeit sieht. Auf der einen Seite wird erwartet, immer ganz oben mitzuspielen; andererseits darf das Ganze allerdings dann nicht viel kosten. Und bei vielen Rechnungen wird dies auch gerne mal immer vergessen. Wenn von soundsovielen Millionen gesprochen wird, die in den letzten Jahren in Transfers geflossen sind, dann werden etwaige Einnahmen unterschlagen. Gerne wird auch vergessen, dass es Eigengewächse auch beim FCB schaffen können, ganz aktuellen Fällen wie Müller und Badstuber zum Trotz.

Überhaupt wird ein Wort in diesem Zusammenhang schon sehr oft bemüht in letzter Zeit: Philosophie. Es geht augenscheinlich ja darum, dass ein Verein erkennen lassen muss, wofür er denn steht: Offensivspektakel, Bombenfeste Defensive, Jugendförderung, Taktik, attraktiver Fußball, etc. Und da stand beim FCB lange Zeit: Mia san mia, was man auch mit „unbedingter Glaube an sich selbst; Überzeugung von der eigenen Stärke“ umschreiben kann. Aber mal ehrlich, das ist doch etwas, das jede Mannschaft auf ihrem Zenit auszeichnet. Von van Gaal wurde auch öfters mal die Dominanz erwähnt. Auch hier kann ich mir keine (inter)national Topmannschaft vorstellen, die ein Spiel nicht gerne dominiert, sondern erst mal abwartet.

Dinge wie „erfolgreich sein“, „schön spielen“, „tolle Jugendarbeit“, etc. – darum bemühen sich doch alle Spitzenvereine. Und das klappt halt im Einzelnen mal mehr, mal weniger; und so entstehen Philosophien letztendlich aus Situationen heraus: Mangelnder Erfolg wird mit Hinweis auf den schönen Fußball, den man ja spielt, entschuldigt; tolle Jugendförderung entschädigt für fehlende Taktik. Und so kann man eher beobachten, dass sich die Ideologie (aus rein sportlicher Sicht, denn wenn man die wirtschaftliche Seite mit reinnimmt, sieht’s ohnehin ganz anders aus) eines Vereins schon mal ändern kann.

Was Lahm wohl beklagt, ist ein Mangel an Kontinuität auf der Trainerbank, was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass man in den letzten Jahren eben oft immer mehr Probleme hatte, einen Trainer zu finden, der es auf Dauer hier aushielt bzw. ausgehalten wurde – von Fans, Medien und nicht zuletzt der Vereinsführung.

Und genau da liegt die beim FCB extrem schwierige Gemengelage. Hoeneß deute es ja schon: Es wird hier immer schwieriger, langfristig einen Trainer zu installieren. Dass der Vorstand da auch selbst dran Schuld ist, verschweigt er natürlich. Letztendlich befindet sich der Trainer in einer Art Bermudadreieck, das sich aus Fans, Vorstand und Medien zusammensetzt; über alledem steht jedoch der Erfolg, ohne den es selbst für Trainer schwierig wird, die ansonsten in diesem Dreieck bestehen können.

Man braucht bei so einer Konstellation also einen Trainer, der mit allen (vor allem bestimmten) Medien gut kann, bei den Fans ankommt (also vielleicht schon Stallgeruch hat), von Vorstandsmitgliedern (und Franz Beckenbauer) nie in Frage gestellt wird und darüber hinaus möglichst sofort erfolgreich ist; so gesehen also die eierlegende Wollmilchsau. Und wenn man sich das Scheitern unserer Übungsleiter in den letzten Jahren anschaut, dann sind es meistens mehrere Faktoren, die zum Abschied führten. Selten war es die Erfolglosigkeit allein (die jedoch oft als Katalysator für andere Einflüsse diente).

Schaut man sich das Ganze aus ein wenig Entfernung an, wundert es mich nicht mehr, dass Ottmar Hitzfeld der einzige war, der es länger als zweieinhalb Jahre in München geschafft hat. Die Anforderungen an einen Trainer hier in München sind immens. Sinnbildlich dafür ist van Gaals Aussage, dass er einen derartigen Druck noch nie erlebt habe, und er ist ja wahrlich kein Novize mehr. Und gerade hier sollte der Vorstand mal einsichtig werden und dem Trainer zuhören. Es ist natürlich schwierig für den FCB, noch ein Jahr ohne Titel zu rechtfertigen, aber man darf dabei auch nicht vergessen, dass eine gewisse Anlaufphase nie verleugnet worden war. Wenn man die Ausfälle zu Beginn und während der Saison (vor allem natürlich Ribéry und Robben) noch berücksichtigt, dann sollte einem die aktuelle Lage zumindest nicht mehr ganz so sonderbar oder katastrophal vorkommen.

Vergleiche mit Klinsmann verbieten sich an dieser Stelle trotzdem, auch wenn vieles am Anfang sehr ähnlich klang. Dass im Bayern-Spiel nun wesentlich mehr Struktur zu erkennen ist, kann wohl keiner bestreiten. Gerade wenn man sich die Spiele ansieht, in denen die sog. Schlüsselspieler fit waren (und das waren bisher nicht sehr viele), sollten einen auch die letzten Zweifel an van Gaals Fähigkeiten als Trainer verlassen.

Wenn Uli Hoeneß vom FCB als innovativem Unternehmen spricht, gleichzeitig aber daran glaubt, dass einfachere Lösungen oft die besseren sind (in diesem Falle nicht Ulis sondern Occams Gesetz), dann sollte doch genau das einmal umgesetzt werden, hätte er damit ja beides: Innovation durch Konservativismus. Allen Widerständen zum Trotz soll mal wieder an einen Trainer geglaubt und seine Position gestärkt werden.

Denn wenn es auch ein Trainer wie van Gaal bei uns nicht schafft, dann frage ich mich, ob der FCB nicht doch als untrainierbar gelten muss, selbst wenn eine eierlegende Wollmilchsau auf der Bank sitzt.

Dienstag, 10. November 2009

Robert Enke ist tot

Wie viele andere schockiert mich diese Nachricht auch. Mein Mitgefühl gilt seiner Familie.

Robert Enke war immer einer, der nie viel Aufhebens um sich selbst machte und sich ohne persönliche Eitelkeiten seine Ausnahmeposition erarbeitete - eine Sache, die es im Fußball nur noch selten gab.

Er wird uns allen fehlen.

Montag, 9. November 2009

Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust

Einerseits hätte ich Philipp Lahm am Samstag gerne zum Teufel gewünscht, wirklich wahr. Denn so ein Interview (zum Inhalt komme ich gleich) gibt man einfach nicht, vor allem, wenn es gerade ohnehin unruhig ist ob der sportlichen Turbulenzen. Und wenn man selbst in letzter Zeit einen ziemlich Dreck zusammenspielt, dann sollte man eigentlich auch mal die Klappe halten. Soviel zur Art und Weise: Geht gar nicht, gibt Geldstrafe und etwas Ärger.

Mehr aber auch nicht, denn in der Sache hat Lahm völlig Recht. Und das scheint wohl auch den Verantwortlichen nicht verborgen geblieben zu sein (so hoffe ich zumindest), sonst hätte eine solche Aktion nicht nur eine Geldstrafe, sondern auch eine vereinsinterne Suspendierung für ein paar Spiele nach sich gezogen.

Was unseren Vize-Kapitän (und das sollte man bei der Angelegenheit nicht vergessen) geritten hat, der SZ dieses Interview zu geben, wird wohl sein Geheimnis blieben, aber immerhin zeigt es ja, dass sich da ein Spieler ernsthaft Sorgen um Wohl und Wehe seines Vereins macht. Von daher ist er wohl näher bei den meisten Fans als viele andere seiner Mitspieler.

Für mich das schockierendste an dem Gespräch war Lahms Aussage, dass einige seiner Mitspieler scheinbar nicht mit Kritik an ihrer Leistung bei der Analyse des letzten Spiels umgehen können. Ich will ja nicht, dass eine Atmosphäre herrscht, in der jeder nur auf jeden draufhaut, aber wenn man es als Fußballspieler nicht verkraften kann, dass einem der Trainer sagt, was man denn falsch gemacht habe, dann frage ich mich echt, ob diese Spieler nicht den verkehrten Beruf haben (von der Vereinswahl ganz zu schweigen). Normalerweise sollten die doch gerade nach einem Jahr Klinsmann froh sein, dass hier einer mal Klartext spricht und schlechte Leistungen direkt analysiert und anspricht; denn nur so kann man etwas verbessern. Wenn Probleme nicht als solche identifiziert werden, dann kann man auch nix dagegen machen.

Es kommt mir mittlerweile so vor, als würde sich ein Graben durch die Mannschaft ziehen: auf der einen Seite all diejenigen, die mit dem Trainer nicht zurecht kommen, weil sie lieber in Watte gepackt werden wollen; auf der anderen Seite dann diejenigen, die es sich nicht bequem machen, sondern mit dem Verein weiterkommen wollen, damit man in nicht allzu ferner Zukunft wieder zu alter Stärke findet. Lahm hat sich dieses Wochenende zum Rädelsführer der letzteren Gruppe aufgeschwungen, während Luca Toni als beleidigte italienische Leberwurst wohl zur anderen Seite gewechselt ist.

Wenn es denn überhaupt was Positives aus diesem ganzen Tumult herausspringt, dann die Tatsache, dass der allgemeine Fokus nun etwas vom Trainer genommen zu sein scheint, weil ja DAS INTERVIEW und Lucas Abgang momentan die größere Aufmerksamkeit generieren. Ich gönne van Gaal das auch, denn er kommt mir zur Zeit wie der ärmste Sau vor, die sich neben den sportlichen Problemen nun auch noch mit solchen Nebenkriegsschauplätzen herumschlagen muss.

Vielleicht können wir zum Abschluss ja sogar noch über Fußball sprechen. Geändert hat sich rein vom Ergebnis und vom Spielverlauf her zwar nicht viel: viel Ballbesitz, dominant, dämliches Gegentor, eine haarsträubende Mischung aus Pech und Unvermögen im Abschluss und immer noch ein kreatives Loch im Mittelfeld. Ich hoffe aber, dass eine Sache bleibt: weder Braafheid noch Pranjic auf links, sondern Badstuber. Auf kurz oder lang muss Lahm jedoch wieder auf seinen angestammten Platz als linker Außenverteidiger zurückkehren; den entsprechende Beweis hat er am Samstag ja sogar selber geliefert: Er ist da einfach wesentlich besser als auf rechts. In dem Zusammenhang könnte man ja mal auch Demichelis als Rechtsverteidiger ausprobieren. Nur mal so eine Idee.

Insgesamt bin ich in den letzten Wochen einfach nur sehr müde geworden und (wer hätte das gedacht) freue mich über die aktuelle Länderspielpause, in der man einiges mit ein wenig Abstand betrachten kann. Andererseits weiß ich auch jetzt schon, dass es mich spätestens nächsten Samstag ärgert, dass statt Ligafußball nur ein Testspiel gegen Chile und ein paar andere Quali-Spiele anstehen.

Zwei Herzen schlagen, ach, in meiner Brust.

Mittwoch, 4. November 2009

Ein lebloser Sauhaufen

Das letzte Mal, als ich ähnlich deprimiert da saß und auch am nächsten Tag immer noch nicht so ganz begreifen konnte, was da eigentlich passiert war, ist noch gar nicht so lange her. Immerhin hieß der Gegner damals Barcelona.

Gestern war es „nur“ Girondins Bordeaux – das Ergebnis ist im Prinzip das gleiche: raus aus der Champions League (natürlich, wir haben noch eine kleine theoretische Chance, aber nach gestern war’s das für mich) und ein lebloser Sauhaufen, in dem sich einige mal fragen sollten, was sie hier eigentlich noch wollen.

Die einzigen Lichtblicke waren Demichelis, Robben und auch Toni, aber da hört dann das Positive auch schon wieder auf. Klar, wenn Ribéry, Olic und Müller fehlen, Robben dazu noch nicht komplett fit ist, dann erwarte ich nicht das große Offensivspektakel. Was ich aber jederzeit erwarten kann, ist, dass eine Mannschaft sich wehrt und zumindest in der letzten Viertelstunde alles in die Waagschale wirft. Stattdessen passiert das exakte Gegenteil: Es wird weiterhin so gespielt, als führe man selbst mit ein oder zwei Toren.

Verflucht nochmal, das kann’s doch nicht sein!

Einzelne Spieler an den Pranger zu stellen, wäre fast schon gemein, weil mit wenigen Ausnahmen gestern alle schlecht waren, aber gerade Philip Lahm ist so ein Kandidat, bei dem mir langsam die Geduld ausgeht. Dass sich Spieler selbst vermarkten wollen, ist ja völlig normal, aber bei ihm nimmt die Häufigkeit etwas selbstgefälliger und vor allem ganz wichtiger Interviews beängstigend zu, was umso lächerlicher wirkt, wenn man sich mal seine Leistungen auf dem Platz in dieser Saison anschaut. Dass er auf rechts für die Offensive weniger bringt, war ja schnell zu sehen, aber mittlerweile hapert es auch ganz gehörig in der Defensive. Was da Bälle verstolpert wurden – meine Herren!

Als ob er der gesamten Fußballwelt gestern unbedingt beweisen wollte, dass es fußballerisch bei ihm zu nicht viel reicht, zauberte ein gewisser Pranjic gestern „Flanken“ und andere Kunststücke aus dem Hut, für die man selbst in der C-Klasse zur Sau gemacht wird. Daneben sieht Braafheid wie ein Flankengott aus.

Und im Mittelfeld wird der Ball generell verwaltet anstatt gespielt. Und da wären wir wieder beim altbekannten Problem. Was hilft mir unglaublich viel Ballbesitz, wenn ich nix draus mache? Wieso schiebe ich den Ball lieber nochmal quer oder sogar nach hinten, wenn dringend ein Tor fallen muss? Und warum wird dieser grausame Sicherheitsfußball (der paradoxerweise auch noch zu Gegentoren führt) auch noch dann durchgezogen, wenn es eh schon fast egal ist?

Liegt’s am Trainer? Ich weiß es nicht. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass er den Spielern verbietet, mal aufs Tor zu schießen. Ich denke auch nicht, dass er es untersagt, zu völlig freistehenden Mitspielern auf die Außen zu spielen. Davon war nämlich gar nichts zu sehen gestern.

Was gestern auch die Herren in der Führungsetage nun geschnallt haben sollten, ist die Tatsache, dass der Kader absolut unausgewogen ist. Nach den Top-Spielern ist ein massiver Leistungsabfall zu sehen, der die Ersatzbank zu einer Ansammlung von Drittligaspielern verkommen lässt, die (mit wenigen Ausnahmen) alles andere als eine Verstärkung sind.

Irgendwie dreht sich alles grad im Kreis, so dass es mir schwerfällt, das gestrige Spiel und die aktuelle Lage noch weiter zu analysieren. Stattdessen denke ich die nächsten Tage lieber mal nicht allzu intensiv über den FCB nach und „freu“ mich auf das Spiele gegen Schalke.

Montag, 2. November 2009

Wenn es doch nur keinen Konjunktiv gäbe

Der Fußball findet ja bekanntlich im Indikativ statt und daher sparen wir uns mal lieber die Gedankenspiele, was gewesen wäre, wenn der FCB dann doch in Stuttgart gewinnen hätte können. Nur mal so am Rande: Nur noch zwei Punkte auf Platz eins wären’s gewesen. So sind’s immer noch vier, was angesichts der acht Punkte, die es schon mal waren, immer noch ok ist.

Auch wenn die Tendenz in den letzten Partien klar nach oben ging, hatte ich kein 100%ig gutes Gefühl vor dem Spiel in Stuttgart, denn die Ausgangslage war eigentlich zu gut: Bayern im Aufwind, Stuttgart im freien Fall. Dazu gaben die Konkurrenten vor uns teilweise überraschend Punkte ab. Eigentlich müsste ich jetzt schäumen und mich über mangelnde Einstellung beklagen, aber andererseits wurde am Samstag eben auch wieder klar, dass die Mannschaft wohl noch nicht ganz so weit ist, wie sie für Gewaltakte und „herbeigewollte“ Siege sein müsste. Bei allen Offensivbemühungen wurde weiterhin ziemlich defensiv gedacht. So kam’s mir zumindest vor.

Das Tor von Toni kurz vor Schluss wäre natürlich die Krönung und Wasser auf die Mühlen all derer gewesen, die das vielbeschworene Bayern-Dusel wieder zurückkommen sahen. Das wäre dann auch dem Linienrichter zu heikel geworden – und so entscheiden wir lieber mal auf Abseits. Hoppla, das hört sich jetzt schon wieder zu stark nach Verschwörungstheorie an.

Und da muss die Mannschaft noch dazu lernen. Im Ligaspiel gegen Frankfurt hat das beständige Spielen dazu geführt, dass am Ende der verdiente Siegtreffer heraussprang. Aber darauf sollte man sich nicht immer verlassen. Stattdessen sollte man von Anfang an oder zumindest schon viel früher so viel Druck aufbauen und diesen auch beständig hoch halten, dass der Gegner irgendwann nicht mehr kann. Dann muss man sich auch nicht über fünf Zentimeter hin oder her bei einer Abseitsentscheidung ärgern.

Woran liegt’s? Schwer zu sagen. Vom fußballerischen Grundgerüst schaut das alles sehr schön aus: Ordnung, klare Aufgabenverteilung, Spielkontrolle. Was momentan fehlt ist einerseits dieser allerletzte Zwang, mit dem die verdammte Kugel zum Schluss dann doch über die Linie gedrückt wird. Andererseits auch die überraschenden, kreativen Elemente, mit denen aus dem aktuellen Kader keiner aufwarten kann. Und dies ist nicht als Vorwurf an Mannschaft oder Trainer zu verstehen, bitteschön. Wenn man sich unser aktuelles Mittelfeld mal anschaut, dann sollte einem schnell klar werden, dass man mit spielerischer Brillanz und Tempo-Dribblings da erst mal nicht rechnen braucht: van Bommel, Tymoschtschuk, Schweinsteiger; der Einzige, der noch für lichte Momente sorgen kann, ist Müller – aber halt auch nicht ganz alleine.

Ich bin in diesem Fall da ganz bei Uli Hoeneß, der völlig zu Recht darauf hinweist, dass dem FCB ohne Ribéry und Robben halt ein nicht zu ersetzender Bestandteil fehlt. Und so muss man halt das Beste aus der aktuellen Situation machen.

Ich möchte hier wirklich nicht alles schönreden, aber man hat am Samstag doch ganz deutlich gesehen, dass viele Spieler immer noch mehr damit beschäftigt sind, die Grundordnung und das Spielsystem zu wahren als im Hurrastil mit der Brechstange permanent nach vorne zu laufen. Letzteres mag zwar ganz nett anzuschauen sein und manchmal auch die nötigen Ergebnisse liefern, aber ich denke, dass viele in dieser Hinsicht arg gebrannte Kinder aus dem Vorjahr sind, die das Spektakel erst mal lieber nach hinten stellen.

Und so möchte ich auch mit einer positiven Note schließen: Tymoschtschuk. Was hab ich mich über den in den letzten Wochen aufgeregt. Keine Übersicht, Fehlpässe, langsam. Und jetzt? Wie ausgewechselt. Da scheint einer verstanden zu haben, um was es hier geht und wie man in der Mannschaft bleibt. Und sowas freut mich immer immens (ähnlich wie es mich vorher genervt hat), denn solche Entwicklungen sind mit Blick auf die restliche Situation absolut essentiell.

Dass momentan eine Phase der Konsolidierung eintritt, sieht man sogar an Braafheid. Ja, auch bei ihm kann man eine Steigerung feststellen. Er verstolpert zwar immer noch Bälle und hat bei manchen Flanken ein katastrophales Stellungsspiel, aber zumindest in der Vorwärtsbewegung klappt das alles schon viel besser.

Irgendwie haben wir zwar in letzter Zeit nur noch solche Wochen, aber die nächsten beiden Heimspiele haben’s auch schon wieder in sich. Morgen gegen Bordeaux werden, so wie’s momentan aussieht, in der Champions League die Weichen für den weiteren Weg gestellt; und am Samstag kommt Schalke 04 – also die nächste Möglichkeit, Boden gutzumachen.

Ich sehe die momentane Lage zwar nicht rosarot, aber auch nicht ganz so dramatisch. Man sollte zwar, wie oben schon erwähnt, im Indikativ bleiben, aber die Aussicht, dass jetzt zumindest Robben wieder mitspielt und irgendwann auch Ribéry, lässt mich definitiv ruhiger schlafen.

Und wer weiß, vielleicht wird’s ja mit Ulis Weihnachtswunsch ja doch noch was.

Samstag, 31. Oktober 2009

Schadenfreude auf bayerisch

Selten konnte man in letzter Zeit ein Spiel des FCB so entspannt verfolgen. Die Tore fallen, der Gegner bricht auseinander und zähneknirschend gibt sogar Marcel Reif zu, dass das da gar nicht mal so schlecht ist, was die Bayern hier abziehen. Gekrönt wird das Ganze dann noch von einer Kneipe, in der sich Bremer, Lauterer, Turner und vielleicht sogar ein paar Schalker versammelt haben, um DER SENSATION beizuwohnen. Tja, liebe Leute, da habt ihr geifernd eure Messer zu früh gewetzt, denn so einfach ging’s dann doch nicht.

Und weil wir gerade bei Schadenfreude sind: Es war schon fast eine Augendweide, wie Thomas Müller den Franz (also den Maik jetzt, nicht den Kaiser) ein ums andere Mal nass gemacht hat. Nicht dass ich was gegen den ehemaligen Karlsruher hätte, im Gegenteil; aber die Fouls vom letzten Samstag hatte ich auch noch nicht vergessen (auch wenn Müller durch seine Flugeinlagen da natürlich mit Schuld dran war).

Marcel Reif durfte als Kommentator natürlich nicht fehlen, und da gab es ja diese schöne Kolumne vor dem Spiel, in der er sich in aller Deutlichkeit mit van Gaal und seiner bisherigen Arbeit beim FCB auseinander setzt – selbstverständlich in altbewährter Reifscher Objektivität, die ihn immer dann ergreift, wenn die Roten aus München das Thema sind. Umso verwunderter durfte man dann schon ob des engelszungengleichen Lobes sein, das die Silberlocke für unser Spiel parat hatte. Möglicherweise war es nur meine spezielle Wahrnehmung, aber ich glaube gehört zu haben, dass er sich gleichzeitig einen Kugelschreiber in die Hand gerammt hat, um diesen Schmerz zu überwinden.

Ähnliches hätte auch gut und gerne Olaf Thon widerfahren dürfen. Dass gerade in turbulenteren Zeiten jeder, der irgendwann mal was mit dem FCB zu tun hatte (und sei es nur als Zeugwart des Kreisligisten, bei dem man vor fünf Jahren mal ein Vorbereitungsspiel gemacht hat), aus seinem Kämmerlein kommt und seinen alten Senf abgibt, ist ja ein normaler Vorgang, der an mir abperlt; aber wenn ehemalige Spieler sich zu Statements wie „van Bommel ist überschätzt“ oder „diesen Pass hätte ich ihm nicht zugetraut“ aufschwingen, dann steigt auch bei mir kurzfristig der Blutdruck und ich mache mal wieder die Schublade mit der Aufschrift „Nicht mal Greenkeeper“ auf... Furchtbar, sowas, wurde auch zu Recht von van Bommel höchstselbst Lügen gestraft. Aber das ist wohl Thons schlechter Umgang auf Schalke.

In sich hineinlachen wird zur Zeit wohl auch van Gaal. Sein Weg kam und kommt ja bei vielen noch nicht so gut an, wobei man bei Gomez fairerweise sagen muss, dass er sich einwandfrei verhält und hier keinen auf beleidigte Leberwurst macht; so kommt es mir zumindest vor. Dass er sich das „anders vorgestellt“ hat, ist ja nur zu logisch. Der kommt als Nationalstürmer für einen Haufen Geld und mit 24 Toren im Gepäck nach München, trifft am Anfang auch noch und wird aber ob seines ansonsten eher durchschnittlichen Spiels auf die Bank gesetzt. Da machen wohl nur Geißböcke einen auf gute Laune. Und das ist auch gut so. Sympathisch auch, dass er nicht aufgestellt werden will, weil der Trainer Mitleid mit ihm hat (Ex-Verein und so), sondern weil er es sich durch Leistung verdient hat. Gomez muss sich nur ein Beispiel an Luca Toni nehmen, um zu sehen, wie man es bei van Gaal wieder in die Mannschaft schafft, auch wenn ihn viele schon auf dem Weg nach Italien sahen: Einsatz, kämpfen, beißen und sich für nix zu schade sein. Und gerade das hat man bei Gomez in letzter Zeit vermisst, denn es muss ihm jetzt egal sein, ob er zehn oder zwanzig Minuten vor Schluss bei welchem Spielstand auch immer reinkommt.

Ganz anders dagegen Demichelis, der immer noch in dem Glauben ist, einen Stammplatz im Vertrag stehen zu haben. Auch hier sollte ein Blick zu Toni genügen. Der hat nämlich auch erst wieder gespielt, als er sich seinen Startplatz verdient hatte. Da hat’s Micho natürlich gerade ziemlich schwer, weil unsere Innenverteidigung mit van Buyten (nur mal angenommen, man würde ihm eine Totengräberkluft geben: er würde ausschauen wie The Undertaker, oder?) und Badstuber momentan ganz gut funktioniert. Da muss er auch mal die Klappe halten und nicht zur nächsten Zeitung rennen, wenn ihm was nicht passt. Aber auch das ist ja bei ihm nix Neues. Schade, eigentlich.

Vorschlag zur Güte: Wie wär’s, wenn wir ihn mal als rechten Verteidiger ausprobieren (Lahm dann wieder auf links), denn recht viel schlechter als die bisherigen Varianten kann’s ja auch nicht sein. Warum Braafheid immer wieder spielt, ist mir einfach schleierhaft; andererseits ist Pranjic auch nicht gerade die Wucht.

So gesehen sind die beiden wohl die legitimen Nachfolger von Lell und Oddo.

Spielt der eine, wünscht man sich den anderen.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Der böse Geist ist wieder da

Es war schon paradox. Mein FCB schießt ein Tor, ein wichtiges Tor sogar, und ich steh einfach nur da und tue: nichts. Die letzten Wochen haben Spuren hinterlassen, soviel ist sicher; der Druck war immens. Alles andere als ein Sieg, und der Baum brennt lichterloh; dazu ein Gegner, der in erster Linie mal auf Verhinderung aus ist, was ja nie besonders schön ist. Aber legitim. Und da kann ich einfach nicht verstehen, warum man sich darüber immer noch mokieren muss. Es ist ja nicht so, dass das ein neuer Trend wäre. So geht das schon seit ein paar Jahren, nur mittlerweile tut sich der FCB mit solchen Gegnern immer schwerer, vor allem wenn im Mittelfeld keine kreativen Leute auf dem Platz sind.

Denn auch wenn er gestern mal wirklich grottig war, darf man von Schweinsteiger sowas nicht erwarten; das war er nie, das wird er nie sein. Tymo noch weniger. Man sollte ja den Stab nicht zu schnell über einzelnen Spielern brechen, aber der bleibt mittlerweile schon arg weit hinter den Erwartungen zurück. Der Tiefpunkt war für mich das gestrige Spiel, dessen Ende er auch dankenswerterweise nicht mehr auf dem Platz verfolgen durfte. Dass ihm besonders die Übersicht abgeht, war gerade in der ersten Hälfte zu erkennen, als er einige Male zu einem völlig freistehenden Lahm auf den rechten Flügel passen hätte können, aber es vorzog, planlos in die Mitte zu flanken oder zu passen, wo schon mehrere Frankfurter warteten.

Van Gaals Idee gegen Ende war natürlich schön und kann – je nach Gesinnung – entweder als Beweis seiner Genialität oder als unglaubliches Massl verstanden werden. Für mich war’s irgendwie eine Mischung aus beidem. Das Ergebnis (und da hat’s ja in letzter Zeit oft gehakt) hat jedenfalls gestimmt. Und so können wir nun auch beruhigt nach Frankfurt fahren, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Eintracht dasselbe nochmal vor eigenem Publikum probiert, zumal es ja am Ende auch nicht gereicht hat.

Eine weitere Erkenntnis sollte sich auch für alle diejenigen eingestellt haben, die auch an Robben schon leichte Zweifel angemeldet hatten. Wieviel dieser Bursche für uns wert ist, hat man nach seiner Einwechslung gesehen, als das Spiel des FCB (gefühlt) allein durch seine Präsenz noch mal ein paar Ecken schneller und für die Eintracht damit endgültig zu schneller wurde. Man darf halt jetzt nur nicht den Fehler machen, der bei Ribéry meines Erachtens viel zu oft gemacht wurde, und Robben nun gleich wieder auf Teufel komm raus voll einzusetzen. Der soll seine Verletzung jetzt noch komplett auskurieren, damit er bald nicht wieder mit Franck zur Reha humpelt.

Insgesamt ist es natürlich schön zu sehen, dass sich nun die üblichen Verdächtigen umso mehr über Bayern auskotzen, weil sie alle schon gedacht haben, dass es mit diesen widerlichen Siegen kurz vor Schluss jetzt doch noch ein Ende haben könnte und die selbsternannten Fußballästheten nun endlich ihre selbstgerechten Schlaf finden, weil sie der böse Geist des FCB nicht mehr permanent umtreibt.

Was unsere Stürmer betrifft, so sollte auch am Samstag wieder klar geworden sein, wer da vorne momentan die Hosen anhat: unser Luca. Freut mich für ihn ja besonders, da er ja anfangs schon leiden musste, aber sich auch für die dritte Liga nicht zu schade war. Weiter abzurutschen droht allerdings Klose, denn irgendwann reicht es halt nicht mehr, wenn als Spielbeurteilung zum zigsten Mal „bemüht, mit Einsatzwillen, etc.“ dasteht, denn Tore schießen darf er nach wie vor, oder? Und überhaupt spielte ja gegen Ende kurz mal eine Variante, die ich gerade gegen Verhinderer ja schon viel früher mal hätte sehen wollen: die Zwei Türme, Luca und Mario. Man muss jetzt keinen Trainerschein haben, um sich ausmalen zu können, dass zwei großgewachsene Wühler, die sich beide (!) im Strafraum gegen verkappte Handballmannschaften voll reinhauen, schon mal ein Loch reißen, einen reinwurschteln oder von mir aus auch nur einen Abpraller abstauben.

Und da wären wir schon beim nächsten, teilweise positiven Punkt des gestrigen Spiels: Es wird wieder geschossen. Endlich, möchte ich hinzufügen, denn es bedurfte mal wieder einer kompletten Halbzeit, bis der gemeine Schuss als adäquates und auch durchaus legitimes Mittel zum Torerfolg entdeckt und auch akzeptiert wurde. Mehr davon, bitte.

Hm, rückblickend eigentlich gar kein so übler Kick, auch wenn mein allgemeines Befinden nach dem Spiel das Ganze nicht so wiederspiegelte; muss wohl wirklich an den letzten Wochen gelegen haben.

Und weil wir vorher schon bei Geistern waren (um diese Jahreszeit natürlich gerne genommen): Vielleicht schafft es die Mannschaft ja doch wieder, den alten Geist der Dusel-Bayern zu beschwören, die grauenhaften Fußball spielen und ihre Erfolge nur einer ganz großen Verschwörung zu verdanken haben, an der neben Uli Hoeneß sicher auch der Fußballgott beteiligt ist.

Alles also wie gehabt.

Freitag, 23. Oktober 2009

Kartenhäuser

Es hätte alles so schön werden können. Ein gemütlicher Abend mit in der Kneipe, der FCB geht gleich zu Beginn in Führung – und dann begann leider das Fußballspiel erst so richtig.

Nun ist van Gaal ja ein ausgewiesener Fachmann, dem es unverkennbar gelungen ist, in einen Hühnerhaufen wieder Ordnung hineinzubringen, so dass man den Gegner oft durch schieren Ballbesitz und gute Organisation dominiert – so gesehen schon oft in der Saison, nur manchmal ohne die nötigen Tore.

Davon war leider am Mittwoch so gar nichts zu sehen. Das gesamte Mittelfeld bewegte sich wie eine Ausgeburt der Chaostheorie; dabei war es egal, ob die Bewegung nach vorne oder hinten ging – von einem Plan, einer Ordnung oder irgendwas in der Richtung überhaupt keine Spur. Wir saßen nach dem Spiel noch lange zusammen und rätselten, woran es denn gelegen haben mag. Einig waren wir uns dabei nie und irgendwann schien das Ganze auch egal. Es war unterm Strich eine vollkommen desolate Leistung, bei der sich keiner besonders hervortat, weder im Guten noch im Schlechten – insofern eine geschlossene Mannschaftsleistung.

Und auch wenn ich nach wie vor voll vom Trainer überzeugt bin, so stellten sich beim Blick auf die Aufstellung vor dem Spiel zumindest leichte Zweifel bei mir ein. Da fallen unsere beiden wichtigsten Kreativspieler im Mittelfeld aus, aber es wird weiter am 4-3-3 festgehalten. Ich finde das System ja auch klasse, aber wenn der zur Verfügung stehende Kader das nicht hergibt, dann muss man halt auch mal was Anderes probieren. Haben wir nicht in Freiburg mit 4-4-2 inklusive Doppelsechs gespielt? Sicher, Freiburg kann man nun wahrlich nicht mit Bordeaux vergleichen, aber gerade wenn man personell etwas angeschlagen in der Champions League auswärts beim stärksten Gruppengegner (und das hätte einem auch schon vorher klar sein müssen) antritt, dann sollte man selbst vielleicht nicht gleich mit gezückter Klinge nach vorn laufen.

Aber dann kam ja das frühe Tor und alles schien in Butter. Was darauf folgte, war mit dem Einsturz eines Kartenhauses vergleichbar: Erst wackeln ein paar Teile und dann bricht das Ganze immer schneller zusammen. Von daher war das 2-1 zur Pause äußerst glücklich.

Zu Müllers Platzverweis sei nur soviel gesagt: Er kann beim zweiten Foul von Glück reden, dass er nur nochmal Gelb und nicht glatt Rot sah, was eine längere Sperre zur Konsequenz gehabt hätte. Bei all dem, was über den Burschen in den letzten Tagen und Wochen hereingebrochen war, ist es natürlich kein Wunder, dass er jetzt erst recht zeigen will, dass er sich von sowas nicht ablenken lässt. Vielleicht tut ihm dieser Denkzettel jetzt mal ganz gut. Der Bruch war diese Aktion für das Bayernspiel aber sicher nicht, denn der kam irgendwie mit dem Führungstreffer. Genau hier hätte man sich auf das verlegen müssen, was in den letzten Wochen so wunderbar geklappt hat: Ballbesitz, Ballbesitz, Ballbesitz – denn wenn wir die Kugel haben, kann der Gegner kein Tor schießen.

Stattdessen servierte man Bordeaux die erste Halbzeit auf dem Silbertablett, ohne auch nur irgendwelche Anstalten zu machen, daran bald etwas zu ändern. Dass dann nach der Pause noch sowas wie Aufbäumen kam, ist zwar schön, aber es offenbarte auch wieder die Hilflosigkeit des Teams an diesem Abend. Und sowas gibt mir einfach Rätsel auf. Wie kann eine Mannschaft, die scheinbar einen Plan hat und diesen auch konsequent versucht umzusetzen (wie z.B. gegen Juve), so auseinanderfallen? Auch zwei Tage später weiß ich darauf keine plausible Antwort.

Vielleicht (hoffentlich) lässt sich das ganze ja in die Schublade mit „diesen Abenden“ legen, an denen gar nix klappt und alles auch noch einen sehr grotesken Verlauf nimmt (s. Butt und die Elfmeter). Ich hoffe inständig, die Mannschaft kann diese vorsichtig optimistische Einschätzung bestätigen, denn bei einem Blick auf den Spielplan fröstelt’s mich schon ein wenig: zwei Spiele gegen die Verhinderer aus Frankfurt, dann auswärts in Stuttgart (für die sind wir doch sicher dann der richtige Aufbaugegner), darauf das Schlüsselspiel gegen Bordeaux und zum Abschluss ein Heimspiel gegen Schlake.

Dann ist erst mal Länderspielpause.

Ob das dann gut oder schlecht ist, werden wir ja sehen.

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Bravo!
Gut zusammengefasst und auf den Punkt gebracht! Absolut...
zechbauer (Gast) - 18. Nov, 10:48
Lahms Fleck
Auf jeden Fall bleibt da was hängen. Es war letztendlich...
elmarinho - 17. Nov, 10:13
Man merkt Deinem Text...
Man merkt Deinem Text wohltuend an, dass er mit ein...
Joshtree (Gast) - 17. Nov, 10:09
Die eierlegende Wollmilchsau
Länderspielpause – Zeit zum Nachdenken....
elmarinho - 17. Nov, 09:11
Robert Enke ist tot
Wie viele andere schockiert mich diese Nachricht auch....
elmarinho - 10. Nov, 22:03

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Zuletzt aktualisiert: 18. Nov, 10:48

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