Donnerstag, 10. Juli 2008

Buddhas, Capitanos und das Mittelfeld

"10 Tage sind es nun, dass Jürgen Klinsmann im Amt ist - und es ist Zeit für eine kurze Zwischenblianz..."

Das würde ich wohl schreiben, säße ich in einer Sportredaktion in diesen Tagen. Kein Wunder, sonst ist auch nicht besonders viel los. Die Tour de France interessiert verständlcherweise niemand mehr, auf dem Transfermarkt schiebt sich zur Zeit auch nix. Wie gut, dass es Klinsmann beim FCB gibt - und vor allem: die Buddhas. Klar, ich hab auch erstmal eine Augenbraue angehoben, als in einem großen, täglich erscheinenden Bilderbuch stand, dass der neue Trainer nun Buddhas auf's Dach stellen würde. Zuerst dachte ich, dass diese Teile spirituell über das Trainingsgelände wachen sollten, bis dann durch die Fotos klar wurde, dass es sich hier eher um Einrichtungsgegenstände handelt. Eigentlich nicht so schlimm bzw. interessant, möchte man meinen, aber wenn sich sogar Politiker darüber aufregen, ist das meistens ein guter Indikator, dass gerade Sommerloch ist. Am treffendsten war eigentlich Zé Robertos Kommentar zu den Statuen: "Mir bringt das nichts. Ich habe doch schon einen Glauben." Sprach's und zog von dannen. Warum können nicht alle so entspannt sein?

War sonst noch was? Ach ja, die Kapitäns-Frage, die, schaut man sich das allgemeine Echo in den großformatigen Medien so an, bald zur K-Frage mutieren könnte. Möglichkeiten gibt es viele, Philip Lahm gilt weiter als heißer Kandidat... Gerne wird gegen den kleinen Burschen aus Gern immer seine etwas jungehafte Statur und das wenig böse Auftreten angeführt (man vergleiche das mal mit Effenberg - grr...) und einer wie Mark van Bommel als Alternative angeboten. Außerdem gibt es ja noch Lucio, Sagnol, Zé Roberto, etc.
Nun gut, wurscht ist mir das zwar auch nicht, aber momentan gibt's im Fußball, finde ich, auch Interessanteres, z.B. dass Hleb nicht zum FCB kommt. Schade, eigentlich, wirklich schade, denn im Mittelfeld hatten wir noch nicht genug Spieler.

Oder doch? Altintop, Sosa, Kroos, Borowski, Zé Roberto, van Bommel, Ottl, Schweinsteiger, Ribéry - 9 Spieler für insgesamt 4 Positionen. Geht man davon aus, dass Ribéry gesetzt ist, bleiben 8 Spieler für 3 Positionen. Huiuiui, das wird lustig, aber auch gut. Was passiert, wenn viele Spieler keine Konkurrenz haben, kam in der Saison 06/07 zum Vorschein...

Andererseits: Wird es wirklich soviele Härtefälle geben?

Sosa ist erst mal bei Olympia; formulieren wir es mal positiv: er sammelt Spielpraxis auf internationalem Niveau.
Ribéry ist leider erst mal verletzt, kommt irgendwann im September wieder.
Zé Roberto spielt seine letzte Saison und weiß selber, dass er nicht mehr zu den ganz jungen Hüpfern gehört; wird also auch nicht alle Spiele von Beginn an bestreiten (wollen).
Schweinsteiger hängt sicher die EM noch nach und ist grundsätzlich ob dieser heftigen körperlichen und vor allem geistigen Belastung immer noch ausgelaut und "müde".
Borowski ist noch neu und braucht Eingewöhnungszeit, denn München ist nun mal nicht Bremen.

Vielleicht wäre es doch nicht so schlecht gewesen, Hleb zu holen...

Und jetzt gerade flattert doch noch was Amüsantes von einem Kölner Fußballtrainer herein: Poldi will also nur nach Köln, niemals nach Stuttgart - bäh!.
Aha. Schön, wenn man das vom Daum erfährt; wie immer ein diplomatisches Meisterstück, macht einen Wechsel nach Köln natürlich immer wahrscheinlicher.

Dienstag, 24. Juni 2008

Rätsel über Rätsel

...geben einem während dieses Turniers zwei Bayern-Spieler auf, die einem in der vergangenen Saison nicht immer Freude bereitet haben - im Gegenteil, der Modezar brachte nicht nur bei mir, sondern auch vielen anderen oft die Hutschnur zum Qualmen.

Und jetzt das. Das letzte Mal, dass ich von Schweinsteiger ein dermaßen gutes Spiel gesehen habe, war vor zwei Jahren gegen Portugal; vielleicht hat er dazwischen auch noch ein oder zwei ganz passable Spiele bei seinem eigentlichen Arbeitgeber bestritten, aber hängengeblieben sind ganz andere Leistugen. Im Hinblick auf die EM und die ihm zuerst zugedachte Reservistenrolle war natürlich der naheliegendste Gedanke, dass er diesen Motvations-Kick einfach mal gebraucht hätte. Gut, mag sein, aber vor allem zu Anfang der Saison 07/08 zählte er nicht gerade zum Münchner Stammpersonal (und wäre wohl noch seltener in die erste Elf gerutscht, wenn sich Altintop nicht so schwer verletzt hätte) - und hat es da was gebracht? Kann mich nicht entsinnen.

Also scheinen die Gründe doch andere zu sein. Ich kann mir beispielsweise nur schlecht vorstellen, dass man über zwei Jahre gewisse technische Fähigkeiten abbaut oder gar verliert - mit anderen Worten: das Fußballspielen verlernt. Natürlich gibt es bessere und schlechtere Tage, aber gerade bei Schweinsteiger waren die letzten beiden Spielzeiten einfach nur mau mit ganz wenigen Höhepunkten. Wenn es also an den grundlegenden fußballerischen Fähigkeiten nicht liegt, dann müssen andere, "weiche" Kriterien her - und da kommt mir immer gleich die berühmt-berüchtigte Motivation in den Kopf.

Klar ist es spannend, mit den besten Fußballern des eigenen Landes in einer Mannschaft zu trainieren und dan gegen andere beste Fußballer eines Landes zu spielen und sich dann möglicherweise auch noch in einem Turnier zu messen. Und natürlich kitzelt man da möglichst alles aus sich heraus (ist die Sichtbarkeit bei solchen Turnieren auch wesentlich größer). Nur muss ich mir dabei auch die Frage stellen, warum es im Verein dann oft nicht so oder gleich gar nicht klappt. Ein anderer Fußballer kann er ja dort nicht sein. Wäre es bei den meisten Vereinsspielern der Fall, dass sie in den jeweiligen Nationalmannschaften so viel besser spielen, dann wäre das "Schweini-und-Poldi-Syndrom" nichts Außergewöhnliches.

Ist es aber. Und es spielt natürlich allen Gutmenschen in die Karten, so dass man wieder prima den alten Gassenhauer "Der FCB macht junge Nationalspielertalente kaputt" aus der Mottenkiste holen kann und diesen im Überschwang dann auch gleich noch auf Gomez anwendet, der ja eigentlich doch irgendwie schon wahrscheinlich vielleicht bei den Bösen Roten aus dem Süden ist.

Bedenkt man, dass besagte Gutmenschen immer auch das Wohl der Nationalmannschaft ganz breit auf ihren Fahnen stehen haben, wird die ganze Diskussion noch grotesker. Würden Poldi/Schweini im Verein zu den absoluten Göttern aufsteigen und in der Nationalmannschaft Mist spielen, dann wären die Bayern schuld (warum auch immer). Spielen sie im Verein grottig, reißen dann in der Nationalmannschaft aber was, dann macht der FCB die Jungen Wilden kaputt.

Der Hund hört nicht auf und jagt dem Schwanz weiter nach...

Dienstag, 17. Juni 2008

EM: Formcheck

Da ja einige der bei der EM (zumindest in der Vorrunde) aktiven Spieler vom FCB kommen und die Vorrunde nun vorbei ist, sollte mal die Formkurve beobachtet werden...

Willy Sagnol:
Tja, der Willy... Hätte mich auch gewundert, wenn in der französischen Nationalmannschaft auf einmal die große Leistungsexplosion gekommen wäre. Aber selbst in einem Team, dessen Bestandteile bis auf eine Ausnahme hauptsächlich durch Formtiefs auffielen, reihte sich Sagnol geschmeidig ein und wusste durch seine mittlerweile nicht mehr ganz so gefürchteten Flanken aus dem Halbfeld zu begeistern. Im entscheidenden Spiel gegen Italien bezeichnenderweise nicht mehr dabei.

Philip Lahm:
Im Spiel gegen die Ösis noch einer der wenigen, über die man sich nicht permanent aufregen musste; der Trend scheint also scheinbar nach oben, trotzdem bin ich da immer skeptisch. Es wird in jedem Fall interessant zu sehen, wie sich der kleine Philip gegen die großen Portugiesen schlagen wird. In einer nicht gerade bombenfesten deutschen Abwehr trotz allem immer noch der Rückhalt schlechthin.

Marcell Jansen:
Sowas wie der Sündenbock im DFB-Team. Praktischerweise mit Schulterverletzung gegen Österreich ausgefallen, ist aber auch dumm gelaufen, sonst hätte Jogi Löw vielleicht auch mal sagen müssen, dass Jansen gegen Kroatien nicht unbedingt das größte Spiel seiner Karriere gemacht hat. Ich habe Jansen eigentlich gar nicht so schlecht gesehen, wie er von vielen gemacht wurde - und die Niederlage gegen die Kroaten lag sicher nicht exklusiv an ihm.

Hamit Altintop:
Gerade im letzten Gruppenspiel gegen die Tschechen hat mir Hamit schon wieder tierische Lust auf die nächste Bundesligasaison gemacht. War in meinen Augen DER zentrale Spieler bei den Türken, der mit seinem permanenten Antrieb nach vorn das Weiterkommen seiner Mannschaft erst möglich gemacht hat. Gerade im Hinblick auf den wohl längerfristigen Ausfall seines französischen Mittelfeldkollegen ist es beruhigend zu wissen, dass es immer noch Hamit Altintop gibt.

Frank Ribéry:
Sicher nicht nur durch die Vereinsbrille betrachtet, der beste Spieler bei den Franzosen; das allein ist in Anbetracht der gezeigten Leistung sicher noch kein tolles Prädikat. Trotzdem spielte mein Lieblings-Gallier bis zu deren furchtbaren Ende eine tolle EM, aufgrund der man nur in sich hineingrinsen konnte, denn immer wieder kam der Gedanke auf: "Der spielt bei uns... Juhu!"
Dann aber machte es "ratsch" oder vielleicht auch "knacks" und mit einem Mal war mir das Ergebnis des aktuellen Spiels ziemlich egal; diverse SMS, die mich sofort danach erreichten, zeugten davon, dass es wohl nicht nur mir so ging. Auch wenn momentan noch nicht raus ist was nun kaputt ist, von hier aus schon mal gute Besserung.

Bastian Schweinsteiger:
Es war natürlich lustig zu sehen, dass es scheinbar für einige Leute eine Überraschung war, dass der Modezar aus schier unerfindlichen Gründen nicht in der Anfangsformation stand; vielleicht hatte auch eine total verkorkste Saison mit entsprechend bescheidenen Leistungen damit zu tun, ist aber nur so eine Vermutung...
Egal, jetzt darf er ran, der Modezar. In Anbetracht der deutschen Leistung gegen Österreich auch schon wurscht, vielleicht findet das blinde, frisch gestylte Huhn ja auch mal ein Korn; eine "Bringschuld" hätte er ja...

Lukas Podolski:
Immerhin findet Löw eine vernünftige Verwendung für ihn, d.h. es kommen zumindest Tore dabei raus. Ob das beim FCB auch so weiter gehen wird, ich habe da so meine Zweifel - angeblich soll ja unser neuer Trainer viel von ihm halten, aber wer tut das eigentlich nicht? Bin mal gespannt, wie er sich gegen die Portugiesen präsentieren wird; wäre mal eine feine Sache, wenn es auch mal Tore geben würde, bei denen ihm der Ball nicht direkt auf den Fuß fällt.

Miroslav Klose:
Die auch schon in der Rückrunde übliche Mischung aus viel Laufen, viel Auge für den Mitspieler und manchmal zu wenig Eigensinn. Gerade gegen die Ösis aber dann doch einer der wenigen Aktiven. Egal, wie weit diese EM für ihn noch gehen wird, er sollte sich irgendwie mal hinsetzen, einen Strich unter eine zum Schluss für ihn eher traurige Saison machen und in der nächsten Spielzeit einfach mal wieder auf's Tor schießen.

Luca Toni:
Gerade im ersten Spiel sowas wie die Arme Sau im italienischen Spiel; hing vorne eigentlich nur durch und musste seinen Mannschaftskollegen dabei zuschauen, wie die eigenen Hoffnungen im eigenen Tor versenkt wurden. Vorhin im Frankreich-Spiel konnte man dann eine kleine Entwicklung sehen, die im zweiten Gruppenspiel schon begonnen hatte: viele Ballkontakte, Chancen - aber immer noch kein Tor; dafür muss allein schon die Toni'sche Präsenz in Strafraumnähe bei den Franzosen mächtges Nervenflattern ausgelöst haben, Abidal wird wohl heute eher schlecht träumen...

Donnerstag, 12. Juni 2008

Kommentatoren und andere Übel...

Wenn man sich schon über sonst nichts aufregen kann, dann immer über den Kommentator...

So geht und ging es mir zumindes oft, selbst wenn mein Verein die Gegner an die Wand spielte und es auch sonst viel gab, über das man sich freuen kann. Aber jeder Kommentator (egal auf welchem Sender) schafft es irgendwann meist, einen dermaßenen Stuss zu reden oder trotz einer tollen Leistung noch ein Haar in der Suppe zu finden, dass man schon mal leich ungehalten werden kann. Spielt das eigene Team gut und passt das Ergebnis, dann ist das nicht weiter schlimm; ganz anders wird die Geschichte allerdings, wenn man selber mit der Leistung unzufrieden ist. Man könnte meinen, dass man sich dann von pampigen Kommentaren nur bestätigt fühlt - aber das ist weit gefehlt. Oft werde ich dann nur noch grantiger, denn schließlich muss ich mir nicht auch noch von Marcel Reif, Thurn und Taxis oder wem auch immer sagen lassen, wie schlecht meine Mannschaft eigentlich spielt... So gesehen hat es der Kommentator auch nicht leicht, er kann es ja nicht jedem Recht machen.

Bei Spielen, denen man prinzipiell neutraler gegenüber steht (wie bei dieser EM beispielsweise oft der Fall), sollte das eigentlich anders sein, ist es aber auch oft nicht. Woran liegt das? Ist man unterbewusst doch für die eine oder die andere Mannschaft? Muss man sich beim Fußball grundsätzlich immer aufregen?

Nicht unbedingt.

Oft ist es schlicht und ergreifend die schiere Unfähigkeit des Kommentators, einfachste Dinge sogar in Super-Zeitlupe zu erkennen oder einfach Fehler einzugestehen. Oder die zigmalige Wiederholung derselben Phrase oder desselben Faktums, das vielleicht beim ersten Mal interessant ist, aber irgendwann nur noch nervt. Mann kann das immer beobachten. Irgendwo scheint der Kommentator eine erstaunliche Statistik gelesen zu haben und erfreut sich dieser so sehr, dass er auch sichergehen will, dass die Zuschauer sich seines riesigen Expertentums auch bewusst werden.

Überhaupt, die Experten. Vielleicht kann man nach vielen Jahren Fußballschauen die langwierige Analyse nach dem Spiel irgendwann nicht mehr sehen, aber ich habe mittlerweile das Gefühl, dass das alles die gleiche Suppe geworden ist. Einzige Ausnahme: Mehmet Scholl. Da sieht man einfach, dass es nicht immer die gleichen Phrasen sein müssen (Mehmet über Maloudas eher limitierte Möglichkeiten: "Vielleicht hat er heut die Fersen vorne."). Schade nur, dass ihm Beckmann immer eifrig ins Wort fallen muss und er auch nicht abends auf der großen Bühne eingesetzt wird; wär' mal eine Abwechslung zu dem immer gleichen Dreigestirn Kerner/Meyer/Klopp...

Dienstag, 10. Juni 2008

Der Blick zurück nach vorn

So fühlt sich die abgelaufene Saison 07/08 zumindest für mich an. Die Aufbruchstimmung, mit der die letzte Spielzeit nach einer kleinen Einkaufstour eingeläutet wurde, schwebte über allem und zum Trainingsauftakt hätte man an der Säbener Straße getrost extra Tribünen aufstellen können (die man während der Saison auch noch oft gebraucht hätte). Kein Wunder, denn mit dieser massiven Anzahl an Neuzugängen hätte man parktisch eine komplette Mannschaft zusammenbauen können. Die Frage war nur, ob und wie das alles zusammenpassen würde - schließlich ist auch beim FCB nicht jeder Transfer ein Erfolg, was an anderer Stelleja auch schon trefflich und höchst kontrovers diskutiert worden ist.

Und tatsächlich, es klappt - gut auch noch. Am Anfang sogar so gut, dass es nach zwei Spieltagen nur noch darum ging, ob der FCB überhaupt noch ein Spiel auf dem Weg zur Meisterschaft verlieren würde. Blödsinn natürlich, aber es sollte schon einmal eine schöne Einstimmung darauf sein, was medientechnisch so los sein würde in dieser "Übergangssaison". Gerade in den ersten Wochen verging kein Spieltag, ohne dass nicht auf die Investitionen, die für bayerische Verhältnisse tatsächlich viel waren, permanent hingewiesen wurde. Von 70 bis 100 Millionen war da jeweils die Rede, mal mit oder ohne Gehälter, mal mit oder ohne Beraterhonorare, etc. Dass diesen Augaben auch kräftige Einnahmen gegenüberstanden, wurde schnell mal fallengelassen; das hätte ja die ständigen Verweise auf die schier unbegreiflich sensationellen Investitionen nur halb so spektakulär gemacht.

Überhaupt, das Geld. Immer wieder wurden zwischendrin Stimmen laut, ob sich der FCB jetzt nun nicht doch auch einmal finanziell überhoben habe; schließlich wurde ja mit einem dicken Minus von rund 30 Mio. am Ende des Jahres gerechnet. Zugegebenermaßen, die Voraussetzungen hätten ja auch kaum schlechter sein können: mehr Geld für Spieler ausgegen als eingenommen, nur im UEFA-Cup und dadurch deutlich weniger Fernsehgelder. Das Ergebnis? Ein Plus von 8 Mio. (Stimmt das? Hab die Zahlen grad nich präsent, ein Plus ist es aber auf jeden Fall.) Dass das Geschäft mit den Fanartiken beim FCB gut läuft, war ja hinlänglich bekannt, aber scheinbar ist man da auch in München in noch nicht bekannte Spähren vorgestoßen: Im Rahmen des Mehmet-Scholl-Abschiedsspiels wurde schnell mal 250.000 Euro umgesetzt - an einem Tag, bei einem Spiel. Hier also wohl alles im Lot.

Sportlich eigentlich auch alles in Ordnung, aber: Am Ende der Saison waren die gemischten Gefühle schon noch etwas präsent, auch wenn die Meisterfeier auf Leopoldstraße, Marienplatz und überhaupt in der ganzen Innenstadt, extrem ausgelassen ausfiel. Der Grund für diesen leisen Zwiespalt: natürlich, St. Petersburg. UEFA-Cup-Halbfinale, der Gegner nicht wirklich bekannt, auch wenn in der vorigen Runde schnell mal Leverkusen rasiert wurde. Nur noch zwei Spiele und dann mal wieder ein europäisches Finale; wie lange hatten wir das schon nicht mehr? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir der UEFA-Cup fast wichtiger als die Meisterschaft war (zum Thema Arroganz bei Bayern-Fans muss ich selber auch nochmal was schreiben). Zu tief waren einfach die Wunden, die sich die Fan-Seele in den vorigen Jahren eingefangen hatte: Chelsea, Milan, eigentlich immer wieder Milan. Und nach Getafe war ich mir auch eigentlich sicher: Jetzt, nach diesem Spiel, müssen wir das Ding einfach holen. Scheinbar war die Mannschaft genau derselben Meinung - und so spielt man dann halt auch. Wenn ich mir heute noch alte Beiträge in Foren und bei anderen Blogs durchlese, dann wird mir oft vor Augen geführt, was für Emotionen der Fußball auslösen kann, die nach dem Spiele auch nicht wieder verflogen sind. Und manchmal liegen die Extreme auf der emotionalen Skala auch zeitlich nah beieinander: erst Getafe, dann St. Petersburg. Noch Tage danach war ich von diesen beiden Erlebnissen mitgerissen.
Mit einigen Wochen Abstand betrachtet, hätte diese katastrophale Leistung in Russland aber nicht unbedingt überraschen brauchen (zumindest nicht im UEFA-Cup); schon gegen Getafe war die Leisung streckenweise beängstigend schwach und das Weiterkommen war eigentlich nur zwei Einzelaktionen und einem eher indisponierten Torwart geschuldet. Dass Oliver Kahn diese Umstände direkt nach dem Spiel erkannte und auch unumwunden zugab: geschenkt, denn es gab nur Emotion. Und nüchtern betrachtet war die Niederlage gegen Zenit zwar grob, aber unterm Strich bleibt eine Saison, in der sich der FCB merklich gewandelt hat - und das nicht unbedingt zum Schlechteren. Meisterschaft, DFB-Pokal und ein UEFA-Cup-Halbfinale (ok, und den Ligapokal...). Viele Mannschaften in ganz Europa (in Deutschland sowieso) würden viel um so eine Bilanz geben. Ach ja, und schöner, wahrlich begeisternder Fußball wurde nebenbei auch noch gespielt, einfach so...

Und Aufbruchstimmung herrscht trotzdem - oder gerade deswegen? Man hat also gesehen, dass es auch anders geht: ruhig mal Geld in die Hand nehmen, echte Reißer holen, Spieler, die wirklich was bringen und nicht nur ergänzen. Das Zauberwort in diesem Zusammenhang heißt allerdings: Klinsmann. Fast hätte man meinen können, er wäre schon seit Januar Trainer - und wäre jetzt keine EM, man würde noch viel mehr über die neuesten Taten des Jürgen lesen. Aber irgendwann ist dieses Turnier dann auch wieder vorbei und das ganze Tohuwabohu geht dann wieder von vorne los. Gerade aus der B*** wird wohl mächtig Feuer kommen, wagte es Klinsmann doch in seiner Zeit beim FCB, dem Springer-Organ seine Handynummer zu verweigern - Frevel! Und darüber hinaus eine Frechheit, die sich die Zeitung scheinbar gemerkt. Anders kann ich mir das ganze dämliche Theater um die Farbe des Auswärtstrikots nicht erklären. Und das wird sicher nicht die einzige Salve sein, die man sich für Klinsmann zurecht gelegt hat (weniger öffentliches Training bzw. "Abschottung von den Fans" wurden schon verbraten, aber das kann man ja bei Gelegenheit ja wieder rausholen).

Interessant wird es werden. Auch wenn vielleicht nicht mehr die ganz großen Verstärkungen wie letzte Saison kommen, es könnte die interessanteste Saison seit langem werden - und ich freu mich schon tierisch darauf.

Warum?

Ja, in der Tat, warum? Warum heißt diese Seite so? Und warum kann man überhaupt Bayern-Fan sein?

Es ist wohl gerade in heutigen Web-2.0-Zeiten eine oft gestelle Frage, die man sich als Bayern-Fan anhören, ja vielleicht sogar gefallen lassen muss. Die Gründe, sich zu dem einen oder anderen Verein zugehörig zu fühlen, sind vielfältig - und ich habe schon so manch eher abgedrehte Geschichte gehört. Ein Kumpel von mir ist damals Bochum-Fan geworden, weil er bei irgendeinem Bundesliga-Brettspiel oder so ähnlich nicht mehr Bayern nehmen konnte und der nächstliegende Verein scheinbar der VfL war...

Nun ja, darum soll es eigentlich nicht in der Hauptsache gehen (wobei solche Geschichten am Rand von zukünftigen Kommentatoren auch gerne angenommen werden), sondern vielmehr um den FC Bayern im Allgemeinen und im Besonderen. Zugegebenermaßen, sicher nicht das erste Blog, das sich mit Münchens Fußballmannschaft beschäftigt, aber unterhaltsam kann's trotzdem werden, denn oft sind es die verschiedenen, durchaus persönlichen Blickwinkel, die den Reiz verschiedener Blogs zum selben Thema ausmachen.

Und vielleicht lässt sich im Laufe des Blogs ja sogar die über allem schwebende Frage beantworten, warum man überhaupt Bayern-Fan werden und bleiben kann. (Und wenn's schon keine definitive Antwort geben wird, dann soll es für "Andere" zumindest verständlicher werden.)

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elmarinho - 12. Jun, 14:04
Danke...
...für diese endlich einmal differenzierte Sicht...
elmarinho - 10. Jun, 17:47

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Zuletzt aktualisiert: 10. Jul, 10:32

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