Die Baustelle schlägt (vielleicht) zurück.
So, es ist also amtlich und in Brennpunkten, Sondersendungen und sogar Live-Übertragungen des Bayern-Training (!) bis zum Erbrechen ausgeweidet worden: Klinsmann ist also nicht mehr Trainer des FCB. Endlich, möchte man fast hinzufügen, denn die Spekulationen, Wasserstandsmeldungen und das ganze Brimborium nahm schon vor der Entlassung groteske Ausmaße an. Und dann am Montag die „Bombe“.
Nun also Heynckes mit Gerland als Assistent. „Aufbruchsstimmung“ wird von Hoeneß gefordert, und wenn man einzelnen Spielern – allen vor dem Kapitän – so zuhört, dann scheint er sie auch zu bekommen. Aus meiner Sicht waren die beiden Pressekonferenzen am Montag und Dienstag irgendwie bezeichnend. Rummenigge schmallippig bzw. gar nicht anwesend. Hoeneß dafür umso redseliger. So redselig sogar, dass er sich montags gleich noch dem BR in einem Exklusiv-Interview für den Blickpunkt stellte. Und diesem Interview (zu finden hier und hier wurde dann nochmal einiges gerade gerückt; mein Lieblingswort: Trainerorgie. Es war Hoeneß richtig anzumerken, dass ihm da ein riesiger Felsbrocken von der Brust gefallen war - eine Last, die er (zumindest nach außen hin) in den letzten Wochen bereitwilliger getragen hat als viele andere. In dieser ganzen unsäglichen Debatte hatte sich ja Rummenigge schon relativ früh (Stichwort „Sommerzeugnis“) hervorgetan und damit mal wieder ein fantastisches Fingerspitzengefühl dafür bewiesen, wie man einen Trainer frühzeitig und subversiv absägt. Und um zu beweisen, dass Killer-Kalle immer noch den direkten verbalen Tiefschlag beherrscht, wirft er einem Wunschkandidaten für das Traineramt Kinderhandel vor.
Irgendwie wurde der eigentlich sinnvolle Ablauf des Epochenwechsels beim FCB komplett über den Haufen geworfen. Zuerst wäre ein neues Management gekommen, das bei Bedarf einen neuen Trainer gesucht bzw. zusammen mit dem alten den Kader entsprechend umgebaut hätte. Das alles erschien mir (solange Klinsmann sich nicht selbst absägte) äußerst durchdacht und logisch. Nun aber wurde das Ganze auf den Kopf gestellt: Die Mannschaft muss offensichtlich (Trainerwechsel hin oder her) umgebaut werden, denn man schleppte in dieser Saison einfach zu viel Ballast in der Form von Oddos, Lells, Ottls, etc. mit; das soll allerdings mit einem Trainer geplant werden, den es noch nicht gibt. Dieser sollte sinnvollerweise von einem Management ausgesucht werden, das sicher auch noch nicht fix ist.
Mit anderen Worten: zum jetzigen Zeitpunkt ist der FCB eine einzige Baustelle.
Dass dieser offene Bauplatz immer noch um die deutsche Meisterschaft mitspielt, ist eigentlich ein Witz, über den man am Ende sicher nur an der Isar lachen kann, wenn Magath sich selbst Knüppel in die Beine wirft, Hertha es mit den Nerven zu tun kriegt – und der FCB die restlichen Spiele gewinnt. Es wäre der verrückte Abschluss einer noch viel verrückteren Saison, die so mit Sicherheit niemand auf dem Zettel hatte; am allerwenigsten wohl die Verantwortlichen an der Säbener Straße.
Denn mit Klinsmann sollte der Fortschritt kommen, der Umbruch, der für nötig erachtet wurde.
Das sollte jedoch nicht vollends auf Kosten der Ergebnisse gehen, denn bei allem Reformwillen sollte die CL-Quali nicht in Gefahr sein – und da gab es wohl ein folgenschweres Missverständnis. Denn während in der Hinrunde und vor allem in der Rückrunde dieses Ziel ernsthaft in Gefahr geriet und bei weitem noch nicht in trockenen Tüchern ist, schien das den Trainer zwar nervös zu machen, aber nicht unbedingt klarer in seiner Personalpolitik und taktischen Ausrichtung. Gerade gegen Wolfsburg und Barcelona offenbarte er einen fast schon blinden Aktionismus, der an der Existenz eines stimmigen Konzeptes (von dem ja nur allzu oft die Rede war) zumindest leicht zweifeln ließ.
The trend is your friend.
Und dieser Trend sollte Klinsmann zum Verhängnis werden. Ein Übergangsjahr (was beim FCB schlichtweg die verpasste Meisterschaft, aber keinesfalls UEFA-Cup heißt) hätten sicher die meisten akzeptiert, wenn auch nur irgendwie erkennbar gewesen wäre, dass sich hier einiges verändert – und zwar zum Besseren. Das war jedoch nicht der Fall. Spieler wurden nicht besser, sondern eigentlich ausnahmslos schlechter. Hinzu kam eine Hilflosigkeit, die vor allem bei den entscheidenden Spielen schmerzhaft offensichtlich wurde. Wenn man jetzt den Spieß umdreht (und in dieser Richtung hatte ich zum Schutz des Trainers auch schon oft argumentiert), dann hatte die Mannschaft schlichtweg keinen Bock mehr auf den Trainer und ihn gemobbt. Andererseits wusste Klinsmann das auch nicht zu verhindern und untergrub seine anfangs sicher vorhandene Autorität zunehmend selbst.
Was bleibt, ist möglicherweise das spannendste Saisonfinale seit Jahren, aber auch die Erkenntnis, dass dieses mit ein wenig mehr Leistung und Einsatz jedoch extrem langweilig hätte werden können.
Nun also Heynckes mit Gerland als Assistent. „Aufbruchsstimmung“ wird von Hoeneß gefordert, und wenn man einzelnen Spielern – allen vor dem Kapitän – so zuhört, dann scheint er sie auch zu bekommen. Aus meiner Sicht waren die beiden Pressekonferenzen am Montag und Dienstag irgendwie bezeichnend. Rummenigge schmallippig bzw. gar nicht anwesend. Hoeneß dafür umso redseliger. So redselig sogar, dass er sich montags gleich noch dem BR in einem Exklusiv-Interview für den Blickpunkt stellte. Und diesem Interview (zu finden hier und hier wurde dann nochmal einiges gerade gerückt; mein Lieblingswort: Trainerorgie. Es war Hoeneß richtig anzumerken, dass ihm da ein riesiger Felsbrocken von der Brust gefallen war - eine Last, die er (zumindest nach außen hin) in den letzten Wochen bereitwilliger getragen hat als viele andere. In dieser ganzen unsäglichen Debatte hatte sich ja Rummenigge schon relativ früh (Stichwort „Sommerzeugnis“) hervorgetan und damit mal wieder ein fantastisches Fingerspitzengefühl dafür bewiesen, wie man einen Trainer frühzeitig und subversiv absägt. Und um zu beweisen, dass Killer-Kalle immer noch den direkten verbalen Tiefschlag beherrscht, wirft er einem Wunschkandidaten für das Traineramt Kinderhandel vor.
Irgendwie wurde der eigentlich sinnvolle Ablauf des Epochenwechsels beim FCB komplett über den Haufen geworfen. Zuerst wäre ein neues Management gekommen, das bei Bedarf einen neuen Trainer gesucht bzw. zusammen mit dem alten den Kader entsprechend umgebaut hätte. Das alles erschien mir (solange Klinsmann sich nicht selbst absägte) äußerst durchdacht und logisch. Nun aber wurde das Ganze auf den Kopf gestellt: Die Mannschaft muss offensichtlich (Trainerwechsel hin oder her) umgebaut werden, denn man schleppte in dieser Saison einfach zu viel Ballast in der Form von Oddos, Lells, Ottls, etc. mit; das soll allerdings mit einem Trainer geplant werden, den es noch nicht gibt. Dieser sollte sinnvollerweise von einem Management ausgesucht werden, das sicher auch noch nicht fix ist.
Mit anderen Worten: zum jetzigen Zeitpunkt ist der FCB eine einzige Baustelle.
Dass dieser offene Bauplatz immer noch um die deutsche Meisterschaft mitspielt, ist eigentlich ein Witz, über den man am Ende sicher nur an der Isar lachen kann, wenn Magath sich selbst Knüppel in die Beine wirft, Hertha es mit den Nerven zu tun kriegt – und der FCB die restlichen Spiele gewinnt. Es wäre der verrückte Abschluss einer noch viel verrückteren Saison, die so mit Sicherheit niemand auf dem Zettel hatte; am allerwenigsten wohl die Verantwortlichen an der Säbener Straße.
Denn mit Klinsmann sollte der Fortschritt kommen, der Umbruch, der für nötig erachtet wurde.
Das sollte jedoch nicht vollends auf Kosten der Ergebnisse gehen, denn bei allem Reformwillen sollte die CL-Quali nicht in Gefahr sein – und da gab es wohl ein folgenschweres Missverständnis. Denn während in der Hinrunde und vor allem in der Rückrunde dieses Ziel ernsthaft in Gefahr geriet und bei weitem noch nicht in trockenen Tüchern ist, schien das den Trainer zwar nervös zu machen, aber nicht unbedingt klarer in seiner Personalpolitik und taktischen Ausrichtung. Gerade gegen Wolfsburg und Barcelona offenbarte er einen fast schon blinden Aktionismus, der an der Existenz eines stimmigen Konzeptes (von dem ja nur allzu oft die Rede war) zumindest leicht zweifeln ließ.
The trend is your friend.
Und dieser Trend sollte Klinsmann zum Verhängnis werden. Ein Übergangsjahr (was beim FCB schlichtweg die verpasste Meisterschaft, aber keinesfalls UEFA-Cup heißt) hätten sicher die meisten akzeptiert, wenn auch nur irgendwie erkennbar gewesen wäre, dass sich hier einiges verändert – und zwar zum Besseren. Das war jedoch nicht der Fall. Spieler wurden nicht besser, sondern eigentlich ausnahmslos schlechter. Hinzu kam eine Hilflosigkeit, die vor allem bei den entscheidenden Spielen schmerzhaft offensichtlich wurde. Wenn man jetzt den Spieß umdreht (und in dieser Richtung hatte ich zum Schutz des Trainers auch schon oft argumentiert), dann hatte die Mannschaft schlichtweg keinen Bock mehr auf den Trainer und ihn gemobbt. Andererseits wusste Klinsmann das auch nicht zu verhindern und untergrub seine anfangs sicher vorhandene Autorität zunehmend selbst.
Was bleibt, ist möglicherweise das spannendste Saisonfinale seit Jahren, aber auch die Erkenntnis, dass dieses mit ein wenig mehr Leistung und Einsatz jedoch extrem langweilig hätte werden können.
elmarinho - 30. Apr, 21:50


