Kartenhäuser

Es hätte alles so schön werden können. Ein gemütlicher Abend mit in der Kneipe, der FCB geht gleich zu Beginn in Führung – und dann begann leider das Fußballspiel erst so richtig.

Nun ist van Gaal ja ein ausgewiesener Fachmann, dem es unverkennbar gelungen ist, in einen Hühnerhaufen wieder Ordnung hineinzubringen, so dass man den Gegner oft durch schieren Ballbesitz und gute Organisation dominiert – so gesehen schon oft in der Saison, nur manchmal ohne die nötigen Tore.

Davon war leider am Mittwoch so gar nichts zu sehen. Das gesamte Mittelfeld bewegte sich wie eine Ausgeburt der Chaostheorie; dabei war es egal, ob die Bewegung nach vorne oder hinten ging – von einem Plan, einer Ordnung oder irgendwas in der Richtung überhaupt keine Spur. Wir saßen nach dem Spiel noch lange zusammen und rätselten, woran es denn gelegen haben mag. Einig waren wir uns dabei nie und irgendwann schien das Ganze auch egal. Es war unterm Strich eine vollkommen desolate Leistung, bei der sich keiner besonders hervortat, weder im Guten noch im Schlechten – insofern eine geschlossene Mannschaftsleistung.

Und auch wenn ich nach wie vor voll vom Trainer überzeugt bin, so stellten sich beim Blick auf die Aufstellung vor dem Spiel zumindest leichte Zweifel bei mir ein. Da fallen unsere beiden wichtigsten Kreativspieler im Mittelfeld aus, aber es wird weiter am 4-3-3 festgehalten. Ich finde das System ja auch klasse, aber wenn der zur Verfügung stehende Kader das nicht hergibt, dann muss man halt auch mal was Anderes probieren. Haben wir nicht in Freiburg mit 4-4-2 inklusive Doppelsechs gespielt? Sicher, Freiburg kann man nun wahrlich nicht mit Bordeaux vergleichen, aber gerade wenn man personell etwas angeschlagen in der Champions League auswärts beim stärksten Gruppengegner (und das hätte einem auch schon vorher klar sein müssen) antritt, dann sollte man selbst vielleicht nicht gleich mit gezückter Klinge nach vorn laufen.

Aber dann kam ja das frühe Tor und alles schien in Butter. Was darauf folgte, war mit dem Einsturz eines Kartenhauses vergleichbar: Erst wackeln ein paar Teile und dann bricht das Ganze immer schneller zusammen. Von daher war das 2-1 zur Pause äußerst glücklich.

Zu Müllers Platzverweis sei nur soviel gesagt: Er kann beim zweiten Foul von Glück reden, dass er nur nochmal Gelb und nicht glatt Rot sah, was eine längere Sperre zur Konsequenz gehabt hätte. Bei all dem, was über den Burschen in den letzten Tagen und Wochen hereingebrochen war, ist es natürlich kein Wunder, dass er jetzt erst recht zeigen will, dass er sich von sowas nicht ablenken lässt. Vielleicht tut ihm dieser Denkzettel jetzt mal ganz gut. Der Bruch war diese Aktion für das Bayernspiel aber sicher nicht, denn der kam irgendwie mit dem Führungstreffer. Genau hier hätte man sich auf das verlegen müssen, was in den letzten Wochen so wunderbar geklappt hat: Ballbesitz, Ballbesitz, Ballbesitz – denn wenn wir die Kugel haben, kann der Gegner kein Tor schießen.

Stattdessen servierte man Bordeaux die erste Halbzeit auf dem Silbertablett, ohne auch nur irgendwelche Anstalten zu machen, daran bald etwas zu ändern. Dass dann nach der Pause noch sowas wie Aufbäumen kam, ist zwar schön, aber es offenbarte auch wieder die Hilflosigkeit des Teams an diesem Abend. Und sowas gibt mir einfach Rätsel auf. Wie kann eine Mannschaft, die scheinbar einen Plan hat und diesen auch konsequent versucht umzusetzen (wie z.B. gegen Juve), so auseinanderfallen? Auch zwei Tage später weiß ich darauf keine plausible Antwort.

Vielleicht (hoffentlich) lässt sich das ganze ja in die Schublade mit „diesen Abenden“ legen, an denen gar nix klappt und alles auch noch einen sehr grotesken Verlauf nimmt (s. Butt und die Elfmeter). Ich hoffe inständig, die Mannschaft kann diese vorsichtig optimistische Einschätzung bestätigen, denn bei einem Blick auf den Spielplan fröstelt’s mich schon ein wenig: zwei Spiele gegen die Verhinderer aus Frankfurt, dann auswärts in Stuttgart (für die sind wir doch sicher dann der richtige Aufbaugegner), darauf das Schlüsselspiel gegen Bordeaux und zum Abschluss ein Heimspiel gegen Schlake.

Dann ist erst mal Länderspielpause.

Ob das dann gut oder schlecht ist, werden wir ja sehen.
zechbauer (Gast) - 23. Okt, 12:51

Wir haben...

verdächtig viele dieser "Abende" in der letzten Zeit.

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